Fifa-Präsident
Wie Gianni Infantino zum Gesicht des „bösen Kommerz-Fußballs“ wurde

Gianni Infantino während der Siegerehrung der Strandfußball-WM in Moskau Ende August

Gianni Infantino während der Siegerehrung der Strandfußball-WM in Moskau Ende August

© Mike Kireev / Picture Alliance

Fifa-Präsident Gianni Infantino ist für viele die Inkarnation des Bösen im Weltfußball. Die Verkürzung des WM-Rhythmus‘ ist nur sein jüngster Versuch, um sich Macht und Einfluss zu sichern. Davor sind schon andere Vorhaben krachend gescheitert.

In den vergangenen Jahren hat sich Fifa-Präsident Gianni Infantino als äußerst kreativ erweisen, wenn es um neue Klub und -Turnier-Formate ging. Das die bislang alle krachend gescheitert sind, stört den umtriebigen Schweizer nicht, der sich gern als Lordsiegelbewahrer des Weltfußballs aufführt.

Die neueste Idee der Fifa und ihres Präsidenten: Die Fußball-Weltmeisterschaft, die wichtigste Einnahmequelle des Verbandes, soll künftig alle zwei Jahre stattfinden – im Wechsel mit den Kontinentalmeisterschaften. So soll es jeden Sommer große Turniere geben und die Einnahmen würden sprudeln. Es gäbe mehr Sponsrengelder, mehr Medienrechte und mehr Tickets zu verkaufen, kurzum: mehr Fußball, Geld und Spaß für alle. Das ist ist die simple Botschaft hinter der Idee.

Gianni Infantino droht nächste Niederlage 

Aus Sicht der Fifa gibt es nur ein Problem: Der Vorschlag kommt nicht so gut an. Unterstützung kommt von Caf und AFC, den Kontinentalverbänden Afrikas und Asiens, auch Ex-Fußballer wie Ronaldo und Lothar Matthäus haben sich hinter die Idee gestellt, doch besonders die mächtigen Kontinentalverbände Europas (Uefa) und Südamerikas (Conmebol) sind strikt dagegen. Und mit ihr zahlreiche Trainer, Funktionäre und die Fan-Vereinigungen. Zuletzt ließ der größte Nationalverband der Welt, der DFB, mitteilen, dass er wegen der „massiven Auswirkungen“ gegen den Zwei-Jahres-Rhythmus ist. Grundsätzlich einig ist man sich nur, dass die internationalen Spielpläne und Qualifikationsformate überarbeitet werden müssen. Das der WM-Turnus verkürzt wird, erscheint im Moment aber unwahrscheinlich.

So könnte es die nächste Niederlage für Infantino setzen. Schon einmal hatte der Schweizer großspurig eine Revolution angekündigt, die dann sogar am Unwillen in der Fifa selbst scheiterte. Vor drei Jahren präsentierte er den Plan, die Klub-WM auf 24 Teams aufzustocken und eine Nationen-Liga einzuführen. Dafür hatte er ominöse Geldgeber gewonnen, die für die Rechte 25 Milliarden Dollar locker machen wollten. Wer dahintersteckte, wollte Infantino partout nicht preisgeben. Heute weiß man, dass es sich wohl um ein von Saudi-Arabien angeführtes Konsortium handelte. Noch dreister als die Ankündigung war eine Personalie: Gianni Infantino sollte Präsident der zu gründenen Gesellschaft werden.

Infantino wollte „neue Ära“ begründen

So viel Chuzpe ging selbst den Fifa-Funktionären zu weit. Der DFB fand die Werbung für den Deal „unseriös“. Der Schweizer Compliance-Experte Mark Pieth sprach von einem „Raubzug“. Das Ende vom Lied: Die Pläne wurden vorerst in der Schublade versenkt. Es kann sein, dass Infantino sie zur rechten Zeit wieder hervorkramt. Die Idee mit dem verkürzten WM-Rhythmus ist schließlich auch nicht neu. Sie stammt aus dem Jahr 1999, als Vorgänger Sepp Blatter gerade ins Amt gekommen war.

Als Infantino im Februar 2016 zum Fifa-Präsidenten gewählt wurde, gab es nur wenige, die mahnend den Finger hoben. Liest man in Presseschauen vom Tag nach der Wahl, begrüßten die meiste Medien weltweit die Wahl des Schweizers. Zu düster und korrupt waren die Zeiten unter seinem Vorgänger Sepp Blatter. Der war nach 17 Jahren Regentschaft von der eigenen Ethikkommission wegen Untreue und Bestechung aus dem Amt gejagt worden.  „Ich will eine neue Ära“, versprach Infantino in seiner Dankesrede damals. Viele glaubten ihm.

Es geht ums Geld

Gebessert hat sich nichts. Im Gegenteil: Infantinos Amtzeit ist eine nahtlose Fortsetzung der skandalträchtigen Geschichte des Weltverbandes. Gewählt wurde der 51-Jährige Jurist, weil er besonders den kleinen Verbänden mehr Geld und Einfluss versprach. In diesem Sinne sind seine Vorschläge zu einer Nationen-Liga oder einer Verkürzung des WM-Rhythmus‘ zu verstehen. Es geht ums Geld, und es geht darum, der mächtigen Uefa ein großes Stück vom Kuchen zu klauen. 

Der Machtinstinkt des Schweizers hilft ihm bei den Vorhaben. Kaum im Amt rasierte er die Ethikkommission, die seinen Vorgänger Sepp Blatter aus dem Amt gejagt hatte. Infantino ersetzte die beiden renommierten Vorsitzenden der zwei Kammern (Untersuchung und Rechtsprechung), die ihm zu engagiert waren, durch ihm treue Vasallen. Er ließ Teile der Satzung ändern und nahm der Kommission ihre schärfsten Instrumente (keine automatische Suspendierung im Falle eines Ermittlungsverfahrens und Ermittlungen nur auf Anweisung der Kammer-Vorsitzenden). So überstand er selbst ein Verfahren wegen eines privaten Extra-Fluges, den er sich abrechnen ließ. Dass weiterhin ein Verfahren gegen ihn bei der Schweizer Bundesanwaltschaft (geht es um geheime Treffen zwischen Infantino und dem früheren Leiter der Schweizer Bundesanwaltschaft) anhängig ist, spielt aktuell ebenfalls keine Rolle.

Dafür hielt er einen Teil seiner Versprechen gegenüber den kleinen Verbänden: Die WM wird ab 2026 (Kanada, USA und Mexiko) auf 48 Teilnehmer aufgebläht. Kleine Fußball-Nationen haben so eher die Möglichkeit, an einer WM teilzunehmen. Die sportliche Qualität wird verwässert, aber das zählt nicht im Reich Infantinos. 

Quellen: „Süddeutsche Zeitung“, „Sportschau„, „Frankfurter Allgemeine Zeitung„, „Deutschlandfunk



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