Ratgeber
„Why Men Love Bitches“ – warum jungen Frauen eine uralte Dating-Bibel lesen

Macht das Netz junge Frauen süchtig nach Beifall?

Macht das Netz junge Frauen süchtig nach Beifall?

Warum ist ein alter Beziehungsratgeber wieder aktuell, der Frauen dazu auffordert, bloß nicht zu nett zu sein, sondern die Krallen zu zeigen? Die Autorin Sherry Argov fürchtet, dass Selfies und Nudes  junge Frauen in alte Muster zurückführen.

„Why Men Love Bitches“ ist ein Beziehungsratgeber für Frauen aus dem Jahr 2002 – nach fast 20 Jahre tauchte das Buch in den britischen Bestsellerlisten jetzt wieder auf, jetzt haben TikTok-Videos mit dem Hashtag whymenlovebitches weit über zehn Millionen Aufrufe erreicht. Als das Buch erschien, gab es noch nicht einmal Smartphones. Die Autorin Sherry Argov ist von dem Revival nicht ganz so überrascht. Sie weist darauf hin, dass das Buch nicht für Teenager geschrieben wurde, sondern für Frauen ab den Zwanzigern. „Ich denke, es spricht heute Teenager und die TikTok-Crowd an, weil sie sich viel früher mit viel mehr auseinandersetzen müssen“, sagte sie der Londoner „Times“.

Erziehung in alten Mustern

Verblüffend für sie ist, dass die sozialen Medien heute genau die falschen rückwärtsgewandten Werte lehren, mit denen Frauen früher groß geworden sind. Den Frauen damals sei beigebracht worden „solange ich schön bin, solange ich mich schön anziehe und die richtigen Schuhe trage und seine Fantasien anspreche, wird er mir ein Haus kaufen und alle Rechnungen bezahlen und mir für immer treu sein.“

Die Sucht im Internet, Beifall mit Schönheit und schöner Kleidung und der Inszenierung von Männerfantasien zu bekommen, führt zu ähnlichen Erwartungen. Junge Frauen finden sich in einer Social Media Falle wieder. Selfies, sagt sie, „schreien nach Verzweiflung“, nackte Selfies sind „eine schreckliche Idee“ und das Internet und Dating-Apps „haben Frauen verfügbarer erscheinen lassen, und das ist nicht gut für Frauen“. Ihre Bücher hatte sie geschrieben für Frauen, die zu nett, bedürftig, fürsorglich oder verfügbar sind, weil sie gesellschaftlich so konditioniert worden sind.

Männer nutzen Schwäche aus

Aus den Studien zu ihren Büchern hatte Argov schon damals gelernt, dass diese Rezepte aus der Zeit der Großmütter nicht mehr funktionierten, Männer sie aber ausnutzten. Männer würden sehr wohl wissen, sagt sie, wenn sie sich respektlos verhalten, versuchten es aber trotzdem. Es sei an der Frau, sich so etwas nicht gefallen zu lassen. Eine weitere Botschaft von Argov: Bedürftigkeit, Verzweiflung und Anhänglichkeit sind generell nicht attraktiv. Unabhängigkeit aber schon. Wenn Frauen keine Standards haben, werden sie nicht gut behandelt. „Ich denke nicht, dass eine Frau sich auf das Internet verlassen sollte, um ihr Selbstwertgefühl zu erhalten. Meine Botschaft ist das Gegenteil von dem, was ihnen durch die sozialen Medien vermittelt wird. Ich nenne es Selbstwert, weil es von innen kommt.“

Auf eigenen Beinen stehen

Denn natürlich meint Argov mit „Bitches“ nicht Schlampen im sexuellen Sinn. Das Buch forderte Frauen dazu auf, selbstbewusst und selbstbestimmt aufzutreten.  Damals seien Frauen verzweifelt hinter den Männern her gewesen, nur um nicht allein zu sein. „Sie haben sich oft zu schnell auf Männer eingelassen, und das war ein perfektes Beispiel dafür, wohin das führt, nämlich oft nirgendwohin.“ Tatsächlich hätten sich die meisten Männer verliebt, wenn eine Frau für sich selbst einsteht.

„Frauen sehnen sich nach Romantik, Männer sehnen sich nach Geheimnissen. Sie lieben das Gefühl, dass sie auf der Kippe stehen. Was ich Frauen beibringe, ist, wie sie ihm ein Gefühl geben können, damit er sie nicht als selbstverständlich gegeben ansieht. Es ist wirklich sehr einfach: Sie müssen für sich selbst einstehen.“

Ihre Bücher sind von einem Vater perfekt zusammengefasst worden, der eines seiner Tochter gab. Er schrieb ihr: „Ich will, dass meine Tochter Ihre Bücher liest, aber ich würde niemals wollen, dass meine Frau sie liest.“



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