Wer sich sein Zuhause so richtig “smart” einrichten will, braucht eigentlich nichts mehr selbst machen. Sogar das Öffnen und Schließen von Vorhängen übernehmen auf Wunsch app-gesteuerte Roboter. Beim Test muss die Frage gestattet sein: Aber warum?

Das erste Mal stieß ich auf den Switchbot Curtain Rod 2.0 über Werbung in einem sozialen Netzwerk. Anders wäre ich ehrlicherweise auch nie auf die Idee gekommen, dass es tatsächlich einen batteriebetriebenen Roboter gibt, dem ich via App das Öffnen und Schließen meiner Vorhänge befehlen kann.

Irgendwie war das bislang auch kein Problem, welches ich dringend lösen wollte. Aber wenn mir dieser essentielle Baustein für ein “smartes” Zuhause schon auf dem Silbertablett präsentiert wird, schaue ich mir die Möglichkeiten dieser schönen neuen Welt natürlich gerne an. So viel sei verraten: Aufwändiger und komplizierter war die Bedienung meiner Ikea-Vorhänge noch nie.

Zunächst aber die Frage: Wozu eigentlich? Abseits vom Ziel, das gesamte Zuhause möglichst vollständig zu automatisieren, gibt es mindestens ein Szenario, bei dem es Sinn machen könnte, Vorhänge automatisch zu schließen: Abwesenheit. Sollten mögliche Einbrecher feststellen, dass jeden Tag Bewegung im Haus herrscht, verringert sich die Chance, dass es zum Äußersten kommt. Etwas weniger dramatische Anwendungsbeispiele: Starker Einfall von Licht, der automatisch abgemildert werden soll, oder sanftes Aufwachen mit Sonnenlicht.

Für jedes Problem eine Lösung

Dann also los: Das Test-Ensemble für den Switchbot Curtain Rod 2.0, welches mich erreicht hat, hätte umfangreicher nicht sein können. Es besteht aus dem Vorhang-Roboter, Solarpanelen, einer Fernbedienung, dem Vorgängermodell, einem Thermometer und einem Fenster-Kipp-Sensor. Das muss man dem Hersteller lassen: Das Ökosystem rund um die Switchbot-Roboter ist riesig, eigentlich gibt es für jedes erdenkliche Szenario ein passendes Zubehör. 

So lässt sich das System Schritt für Schritt schlauer machen. Übersteigt die Raumtemperatur ein bestimmtes Limit? Dann bitte automatisch Vorhang zu. Ist das Fenster geöffnet und behindert den Vorhang? Dann Betrieb pausieren. Ist das Smartphone nicht in Reichweite? Die Fernbedienung tut es auch. Ein Eldorado für Tüftler:innen.

Solarpanel am Switchbot Curtain Rod 2.0

Mit Solarpanelen für rund 20 Euro entfällt lästiges Aufladen der Roboter, sofern die Platzierung im Sonnenlicht gelingt.

© stern / Christian Hensen

Um meine Vorhänge künftig also nicht mehr wie ein Höhlenmensch von Hand öffnen und schließen zu müssen, kam Technik im Wert von rund 240 Euro an die Stange. Denn für meinen Zweck, zwei Rundösen-Vorhänge an einer runden Gardinenstange mittig zu schließen, braucht es zwei Roboter, der Stückpreis beträgt 85 Euro. Dazu das besagte Zubehör, welches mit Preisen zwischen 10 und 20 Euro pro Gerät immerhin relativ günstig ist, sich aber schnell auf besagte Summe aufaddierte. 

Mehr Geduldsprobe als Montage

Als das Paket eingetroffen war, begann die Montage. Die korrekte Installation der Roboter und allem Zubehör ist das A und O, wenn die technischen Helfer wirklich einwandfrei funktionieren sollen. Einfach an die Stange klemmen ist also nicht, man muss schon etwas Hirnschmalz investieren. Das suggeriert auch die Anleitung, welche genauestens auf jeden Vorhangtyp eingeht und erklärt, welche Vorbereitungen nötig sind, damit der Switchbot Curtain Rod 2.0 an die Arbeit gehen kann.

Die Herausforderung: Ein schwerer Ikea-Verdunklungsvorhang mit Rundösen aus Metall auf einer ausziehbaren Gardinenstange mit leichtem Übergang zwischendrin. Erstes Problem: Der Abstand zwischen der Stange und der Wand. Geht es nach dem Hersteller, soll der Roboter hinter dem Vorhang verschwinden, also nach draußen zeigen. Das hat nicht nur den Vorteil der optischen Unversehrtheit des Vorhangs, sondern ist auch dann nötig, wenn man die Solarpanele zur Stromgewinnung am Roboter anbringen will. Es geht zwar auch anders, dann hat man aber ein Kabel am Vorhang, welches Strom Richtung Switchbot liefert  – auch nicht schön.

Abstand zur Wand eines Switchbot Curtain Rod 2.0

So sollte der Switchbot Curtain Rod 2.0 eigentlich montiert werden: Richtung Wand, hinter den Vorhang. Das geht aber nur, wenn der Abstand zwischen Stange und Wand entsprechend groß ist.

© stern / Christian Hensen

Erster Schritt also: Die Stange muss nach Möglichkeit von der Wand weg – was natürlich zu mehr Lichteinfall auch bei geschlossenen Vorhängen sorgt. Dann geht es an den Vorhang selbst. Je nach Ausführung müssen Klammern oder Zugbänder angebracht werden, damit der Widerstand des Vorhangs nicht zu groß für den Switchbot wird – besonders kräftig ist er nämlich leider nicht. Ignoriert man das, wie ich zunächst bei besagtem Vorhang im Bild, stellen sich beispielsweise die Ösen irgendwann so quer, dass sie den Roboter bremsen. Aber: Verwendet man die Zugbänder, verkürzt man den Vorhang, eben damit der sich nicht mehr längt. Für mich ein Problem: Auch bei geschlossenen Gardinen waren Teile des Fensters zu sehen.

Bei der Stange ist darauf zu achten, dass der Weg für den Roboter möglichst unterbrechungsfrei ist. Bei ausziehbaren Exemplaren ist das ein Problem, denn hier gibt es immer einen kleinen Übergang, der für den Switchbot schon zu viel sein kann. Meine Lösung: Klebeband als Rampe. Sieht gut aus, oder? Einfacher wird es übrigens für Menschen mit Vorhangschienen, denn auch dafür gibt es Versionen des Switchbot Curtain (I-Rail, U-Rail) und deren Installation erscheint mir deutlich einfacher.

Switchbot Curtain Rod 2.0 am Übergang einer ausziehbaren Vorhangstange

Selbst ein winziger Übergang bei ausziehbaren Vorhangstangen stellt den Switchbot Curtain Rod 2.0 vor Probleme. Abhilfe sieht – wie hier – oft nicht schön aus.

© stern / Christian Hensen

Ist das alles erledigt, kann der Roboter, welcher sich mit zwei gefederten Haken an die Stange klammert, endlich angebracht werden. Optional, und wenn es die Ausrichtung zulässt, können auch die Solarpanele an den Switchbot gesteckt werden. Klappt das nicht, oder ist die Anschaffung zu teuer, reicht der Akku der Roboter laut Hersteller für mehrere Monate. Geladen wird über einen USB-C-Anschluss, mehr als zwei bis drei Stunden dauert der Ladevorgang nicht. Den Zustand der Batterie prüft man über die App des Herstellers, die essentieller Bestandteil der Geräte ist.

Alles an diesem Ding ist nicht so einfach – sogar die App

Die Switchbot-App gleicht einer Schaltzentrale. Hier finde ich alles, was der Roboter kann, inklusive einem Shop für weiteres Zubehör des Herstellers. Die Bedienung der App ist sehr intuitiv gestaltet, aber aufgrund der Möglichkeiten unheimlich umfangreich. Zum Start muss der Switchbot Curtain Rod 2.0 kalibriert werden. Dafür setzt man ihn an seinen Startpunkt und fährt mit dem Roboter auf Knopfdruck die Stange solange ab, bis das gewünschte Ziel erreicht ist. Nochmal zurückfahren, fertig. Der Roboter merkt sich, wie lange er fahren musste und wiederholt das Gelernte anschließend auf Knopfdruck.

Setzt man zwei Roboter ein, lassen sich die beiden Geräte gruppieren und gemeinsam kalibrieren. Sobald erledigt, bewegen sich die Vorhänge wunderbar synchron aufeinander zu und voneinander weg. Im Anschluss an diese Ersteinrichtung lassen sich außerdem Routinen erstellen, Zeitpläne festlegen oder Befehle für Sprachassistenten einrichten.

Switchbot Curtain Rod 2.0 App

Nie war die Bedienung eines Vorhangs komplizierter: Die App lässt eigentlich keine Wünsche offen, fühlt sich aber so wissenschaftlich an, wie sie aussieht.

© stern / Christian Hensen

Die gesamte Einrichtung hat mich am Ende ein paar Stunden gekostet. Aber: Als alles erledigt war, fuhren die Roboter relativ zuverlässig die Stange auf und ab. Was für mich zunächst wie eine unnötige Spielerei wirkte, entpuppte sich spätestens am nächsten Morgen als geniale Idee – denn ohne aufstehen zu müssen, konnte ich die Vorhänge öffnen und mehr Licht reinlassen, was beim Aufwachen eine große Hilfe ist.

Im Test kam es immer mal wieder zu kleinen Problemchen, etwa weil der Vorhang sich doch nochmal verhakt hatte oder ich den Vorhang geistig umnachtet von Hand schließen wollte, was die Kalibrierung der Switchbots störte und die Einrichtung per App am nächsten Tag von vorne losging.

Fazit: Nicht für jede Gardine eine echte Hilfe

Aber war es das wert? Für mich, vor allem wegen meiner runden Vorhangstange und den Metallösen meines Vorhangs, lautet die Antwort leider nein. Die Einrichtung hat einfach zu viel Zeit gekostet und an der Stange arbeiten die kleinen Roboter einfach nicht zuverlässig genug. In meinen Augen ist das wohl auch der Grund, warum es bereits die zweite Version der Switchbots für Rundstangen gibt, denn der Vorgänger kam wirklich gar nicht mit meinen Vorhängen klar, während das aktuelle Modell immerhin die meiste Zeit funktionierte.

Das spiegeln übrigens auch Tausende Amazon-Bewertungen wider: Menschen, die den Roboter an einer Schiene einsetzen, sind in der Mehrzahl glücklich mit dem smarten Helferlein. Menschen wie ich klagen über ähnliche Probleme.

Ich denke, der Switchbot Curtain, egal in welcher Ausführung, ist vor allem für Enthusiasten, deren Ziel es ist, das gesamte Haus möglichst vollumfänglich zu automatisieren. Besonders bei der Einrichtung von Routinen oder der Einbindung in ein bestehendes Smart-Home-Ökosystem sind Fachkenntnisse gefragt, die erstmalige Einrichtung erfordert Geduld. Switchbot bedient eine recht kleine Nische mit durchaus einzigartigen Produkten, echte Probleme lösen sie aber nicht.

Der Mensch gewinnt in diesem Fall gegen die Maschine: Um die Vorhänge von Hand zu schließen habe ich gerade einmal acht Sekunden gebraucht. Für die Einrichtung der Switchbot Curtain Rod 2.0 waren es alles in allem zweieinhalb Stunden. Wissen Sie, wie oft ich meinen Vorhang hätte auf- und zumachen können? 1125 Mal. Und da sind Probleme bei der Kalibrierung nicht eingerechnet.

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