Unwetter
Gigantische Verwüstung nach Tornados – Dutzende Tote

Tornados in den USA

Beschädigte Fahrzeuge und persönliches Eigentum sind über ein weites Gebiet entlang der Kentucky 81 in Bremen, Kentucky, verstreut. Foto: Greg Eans/The Messenger-Inquirer via AP/dpa

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Kentuckys Gouverneur Beshear hat Mühe, das Ausmaß der Zerstörung in Worte zu fassen. Über mehr als 300 Kilometer hinweg haben Tornados alles auf ihrem Weg vernichtet und nichts als Trümmer hinterlassen.

Nach den verheerenden Tornados in den USA mit vermutlich Dutzenden Toten suchen Rettungsmannschaften weiter nach Überlebenden.

Besonders schwer betroffen ist der Bundesstaat Kentucky, dessen Gouverneur Andy Beshear am Samstag mit Blick auf die Zerstörung sagte: «Wir sind Ground Zero.» Er sei sich sicher, dass die Zahl der Toten alleine in seinem Bundesstaat im Südosten der Vereinigten Staaten 70 übersteigen werden. «Sie könnte sogar über 100 liegen.» Die Nacht zu Samstag sei «eine der härtesten» in der Geschichte Kentuckys gewesen. «Ich glaube, dass dies der tödlichste Tornado sein wird, der jemals durch Kentucky gezogen ist.»

Schneise der Verwüstung

Die Tornados hinterließen in Kentucky über 200 Meilen (320 Kilometer) hinweg eine Schneise der Verwüstung. «Alles in ihrem Pfad ist weg. Häuser, Geschäfte, Regierungsgebäude – einfach weg. Teile von Industrieanlagen, Dächer sind in Bäumen. Es ist schwer vorstellbar, dass das überhaupt möglich ist», sagte Beshear. «Die Verwüstung ist mit nichts zu vergleichen, was ich in meinem Leben gesehen habe, und ich habe Mühe, es in Worte zu fassen.»

Die Tornados verwandelten unter anderem eine Kerzenfabrik in Mayfield in ein Trümmerfeld – dort wurde wegen des Hochbetriebs zur Weihnachtszeit in der Nacht zu Samstag gearbeitet. Nur 40 der rund 110 Menschen in der Fabrik seien gerettet worden, sagte der Gouverneur. Wo einst die Fabrik gestanden habe, liege jetzt ein mehr als vier Meter hohes Trümmerfeld mit Metallschrott und Autowracks. «Es wäre ein Wunder, würde dort jemand lebendig gefunden.»

«Es wird eine harte Nacht»

Beshear schwor die Menschen im Katastrophengebiet angesichts von Tiefsttemperaturen um den Gefrierpunkt und großflächigen Stromausfällen auf schwierige Stunden ein. «Es wird eine harte Nacht für viele Menschen in Kentucky werden», sagte er. Dem Gouverneur drohte zwischenzeitlich die Stimme zu versagen – etwa, als er von dem Heimatort seines Vaters namens Dawson Springs erzählte. «Einen Block von dem Haus meiner Großeltern steht kein Haus mehr», sagte Beshear. «Und wir wissen nicht, wo all diese Menschen sind.»

Die Rentnerin Lori Wooton aus Dawson Springs sagte CNN, sie habe den Sturm in einem Schutzkeller ausgesessen. Drei oder vier Sekunden habe große Krach geherrscht, dann sei der Tornado schon vorbei gewesen. «Aber als wir dann herauskamen und uns den Schaden ansahen, war es unglaublich, was in diesen drei bis vier Sekunden passiert ist.»

Auch andere Regionen wurden von dem Sturmsystem getroffen. CNN berichtete von mehr als 30 Tornados in sechs Bundesstaaten. In fünf davon – Kentucky, Missouri, Tennessee, Illinois, Kentucky und Arkansas – wurden Opfer verzeichnet. CNN meldete insgesamt mindestens 79 Tote. Es dürften Tage vergehen, bis das volle Ausmaß der Katastrophe in den betroffenen Bundesstaaten bekannt wird.

Tote in Amazon-Verteilzentrum

In Illinois stürzte das Dach eines Verteilzentrums des Online-Händlers Amazon teilweise ein. Dort starben sechs Menschen, 45 Personen wurden nach Angaben der Feuerwehr aus den Trümmern gerettet. Amazon-Gründer Jeff Bezos äußerte sich bestürzt über die «tragischen Berichte» aus Edwardsville. «Wir sind untröstlich über den Verlust unserer Teammitglieder», twitterte er in der Nacht zum Sonntag.

Das Sturmsystem ist die jüngste einer ganzen Reihe von Naturkatastrophen in den USA. Die Vereinigten Staaten litten in diesem Jahr unter verheerenden Stürmen, schweren Überflutungen und großflächigen Waldbränden. US-Präsident Joe Biden sieht in der Häufung und Heftigkeit der Katastrophen eine Folge des Klimawandels, dessen Bekämpfung er zu einer seiner Top-Prioritäten gemacht hat.

Biden sagt Hilfen zu

Biden sagte den von den Tornados betroffenen Bundesstaaten am Samstag Hilfe zu. «Ich verspreche Ihnen, was auch immer benötigt wird, die Bundesregierung wird einen Weg finden, es zu liefern», sagte der Präsident bei einem kurzfristig anberaumten Auftritt in Wilmington (Delaware). Biden stimmte am Samstag einer Notstandserklärung für den Bundesstaat Kentucky zu, der am schlimmsten von den Tornados heimgesucht wurde. Damit wird Hilfe des Bundes beschleunigt. Der Gouverneur hatte zuvor bereits den Notstand in Kentucky verhängt unddie Nationalgarde aktiviert.

Biden sagte, es sei noch nicht klar, welche konkrete Rolle der Klimawandel bei der jüngsten Katastrophe gespielt habe. Die Erderwärmung trage aber zu Wetterextremen bei. «Also müssen wir handeln.» Oberste Priorität habe derzeit aber, «dass wir jeden retten müssen, der noch am Leben ist». Angesichts der Katastrophe wirf Biden seine Landsleute zur Geschlossenheit auf. «Wir werden das gemeinsam durchstehen», sagte er. «Dies ist einer der Momente, in denen wir weder Demokraten noch Republikaner sind.»

Biden stellte einen Besuch im Katastrophengebiet in Kentucky in Aussicht. Er sagte aber, er wolle damit warten, bis er die Rettungsoperationen nicht behindere. Gemeinsam mit First Lady Jill Biden bete er für die Opfer und deren Angehörigen.

dpa



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