Russischer Angriff auf Lazarett in Mariupol +++ Historische Regelung in USA für Rüstungslieferungen an Ukraine +++ Alle Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im stern-Ticker.

Am 65. Tag des russischen Angriffskriegs in der Ukraine meldet die ukrainische Online-Zeitung “Ukrajinska Prawda”, dass bei einem russischen Angriff auf ein Lazarett im Stahlwerk Azovstal bei Mariupol mindestens ein Mensch getötet und 100 weitere verletzt wurden.

In seiner täglichen Videobotschaft hat der ukrainische Präsident Selenskyj  sowohl seinem US-Kollegen Joe Biden als auch dem amerikanischen Volk für die Milliardenhilfe  gedankt, die der Kongress “hoffentlich schnell” unterstützen werde. 

Die Meldungen zum Krieg in der Ukraine am Freitag, 29. April:

9.14 Uhr: Laut britischen Geheimdiensten: Russische Geländegewinne in Ukraine beschränkt

Die russischen Geländegewinne in der Donbass-Region sind nach Erkenntnissen britischer Geheimdienstexperten angesichts heftiger ukrainischer Gegenwehr beschränkt und mit hohen Verlusten verbunden. Das teilte das Verteidigungsministerium in London mit.

Besonders heftig seien die Kämpfe um die Städte Lyssytschansk und Sjewjerodonezk mit einem versuchten Vorstoß von Isjum in Richtung Süden Richtung Slowjansk. Die Schlacht um die Donbass-Region bleibe weiterhin der strategische Fokus Russlands, um das ausgegebene Ziel der Kontrolle über die Verwaltungsbezirke Donezk und Luhansk zu erreichen, heißt es in der Mitteilung weiter.



Krieg in der Ukraine: Stahlwerk Azovstal: Offenbar ein Toter und 100 Verletzte bei russischem Angriff auf Lazarett

9.07 Uhr: Ukraine plant für Freitag Evakuierung von Zivilisten in Mariupol

Die ukrainische Regierung will nach eigenen Angaben heute Zivilisten aus dem belagerten Industriegelände Asow-Stahl in Mariupol in Sicherheit bringen. “Ein Einsatz zur Evakuierung von Zivilisten aus der Asow-Stahl-Fabrik ist für heute geplant”, teilt das ukrainische Präsidialamt mit. UN-Generalsekretär António Guterres hatte bei einem Besuch in Kiew am Vortag erklärt, die UNO tue “alles”, um eine Evakuierung zu erleichtern.

Russland hatte in der vergangenen Woche erklärte, mit Ausnahme der Stahlwerke die vollständige Kontrolle über die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine erlangt zu haben. Kreml-Chef Wladimir Putin ordnete daraufhin eine Belagerung des Industriegeländes Asow-Stahl an. In dem Komplex sollen sich neben ukrainischen Soldaten hunderte Zivilisten befinden.

8.34 Uhr: Kiew meldet Pause bei russischen Bodenangriffen in Ostukraine

Die russischen Streitkräfte haben nach ukrainischen Angaben ihre Bodenangriffe im Osten der Ukraine vorläufig eingestellt. “In Richtung Isjum hat (der Feind) keine aktiven Angriffshandlungen durchgeführt”, teilt der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht mit. Die russischen Kräfte beschränken ihre Aktivitäten demnach auf Aufklärung und Artilleriebeschuss. Die Gegend um Isjum im Gebiet Charkiw war in den vergangenen Tagen die Hauptstoßrichtung der russischen Truppen. Durch den Vorstoß nach Süden sollten die ukrainischen Kräfte im Donbassgebiet eingekesselt werden.

Auch an anderen Frontabschnitten blieb es verhältnismäßig ruhig. Vor Donezk meldete der ukrainische Generalstab ebenfalls Artilleriebeschuss, aber keine weiteren Sturmversuche. In Mariupol würden die eingeschlossenen Einheiten im Stahlwerk Azovstal weiter blockiert, heißt es. Auch die ukrainische Armee beschränkte sich nach Angaben des Generalstabs in erster Linie auf Abwehrarbeiten.

7.10 Uhr: Russland stellt Zukunft der Internationalen Raumstation in Frage

Russland stellt seine Mitarbeit beim Betrieb der Internationalen Raumstation (ISS) in Frage. “Die Entscheidung über das Schicksal der ISS wird viel von der Lage abhängen, die in unserem Land und darum herum herrscht”, sagt der Chef der russischen Raumfahrtagentur, Dmitri Rogosin, der Nachrichtenagentur Tass. Im Falle eines Ausstiegs werde Moskau seine Partner aber ein Jahr im Voraus unterrichten. Bis 2024 sei Russlands Beteiligung an der Station vorläufig noch geplant.

Zuvor hatte Rogosin nicht ausgeschlossen, das russische Modul von der ISS abzukapseln und eigenständig weiter zu betreiben. Dabei deutete er auch eine mögliche Nutzung der Station zur militärischen Erdbeobachtung an. Bis Mitte Mai will sich die russische Regierung zudem entscheiden, ob sie weiterhin westliche Astronauten auf ihren Raumschiffen zur ISS mitnimmt.

4.55 Uhr: Laut CNN: US-Bürger im Kampf gegen Russen in Ukraine getötet

Ein amerikanischer Söldner ist in der Ukraine im Kampf gegen russische Truppen getötet worden. Das berichtete der US-Sender CNN unter Berufung auf die Mutter des 22-Jährigen. Der ehemalige US-Marineinfanterist in den Diensten einer privaten Firma zur Vermittlung von Söldnern sei am Montag ums Leben gekommen. Der 22-Jährige habe sich unmittelbar nach dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine als Vertragskämpfer bei der namentlich nicht genannten Firma gemeldet und seit Mitte März mit seiner Söldner-Einheit, die aus Männern aus verschiedenen Ländern bestand, die ukrainischen Truppen unterstützt.

4.50 Uhr: Russische Angriffe treffen Lazarett in Mariupol

Bei einem russischen Angriff auf die im Stahlwerk Azovstal verschanzten letzten Verteidiger Mariupols ist das dort eingerichtete Feldlazarett unter schweren Beschuss geraten. Nach einem Bericht der “Ukrajinska Prawda” ist dabei mindestens ein Soldat ums Leben gekommen, rund 100 Patienten hätten weitere Verletzungen erlitten. Nach Darstellung der Verteidiger sei das Lazarett, in dem sich rund 500 Verwundete und Ärzte aufhielten, gezielt angegriffen worden. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Im Werk Azovstal haben sich die letzten Verteidiger der Hafenstadt Mariupol sowie zahlreiche Zivilisten verschanzt. Trotz wiederholter Aufforderung von russischer Seite lehnen sie eine Kapitulation ab. Zuletzt hatte sich UN-Generalsekretär Guterres in Moskau und Kiew dafür eingesetzt, für die Zivilisten einen humanitären Korridor zu öffnen.

2.26 Uhr: Kiew: Russifizierung von Cherson wird nicht klappen

Russische Pläne zur Festigung der Kontrolle über die besetzte Region Cherson im Süden der Ukraine sind nach Meinung der ukrainischen Führung zum Scheitern verurteilt. Der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates, Olexij Danilow, bezeichnet das von russischer Seite geplante Referendum in Cherson als “juristisch und international bedeutungslos”. Die Volksabstimmung, mit der die russischen Besatzer eine “Volksrepublik Cherson” ausrufen lassen wollten, sei ein “Klassiker”, mit der Russland seine Aktionen legalisieren wolle.

Auch die Einführung des russischen Rubels als Zahlungsmittel in den besetzten Gebieten sei “klassische russische Praxis”, sagt Danilow nach Angaben der Agentur Unian. Auch diese Bemühungen der russischen Seite würden nicht zum Erfolg führen. “Sie werden zwar einige Zeit versuchen, eine Währung oder Pseudo-Währung für diese Gebiete einzuführen”, sagte Danilow. Doch angesichts des zu erwartenden Widerstands der Bürger werde diese “sehr kurzlebig” sein.

1.22 Uhr: Historische Regelung in USA für Rüstungslieferungen an Ukraine

In Anlehnung an eine Regelung aus dem Zweiten Weltkrieg wollen die USA die Lieferung von Rüstungsgütern an die Ukraine und andere osteuropäische Staaten erleichtern. Nach dem Senat hat am Donnerstag (Ortszeit) auch das Repräsentantenhaus einen entsprechenden Gesetzentwurf beschlossen. Der Präsident wird zeitlich befristet bis 2023 ermächtigt, der Ukraine und anderen Staaten in Osteuropa, die vom russischen Angriffskrieg betroffen sind, militärische Ausrüstung zu leihen oder zu verpachten. Bestimmte formale Anforderungen bei dem Prozedere sollen dabei ausgesetzt werden.

0.47 Uhr: Scholz setzt Russlands Angriff auf Ukraine mit Angriff auf Demokratie gleich

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) setzt den russischen Angriff auf die Ukraine mit einem Angriff auf die Demokratie gleich. Russlands Staatschef Wladimir Putin verfolge “nicht nur das Ziel, die Ukraine zu zerstören. Sein Krieg richtet sich gegen alles, was Demokratie ausmacht: Freiheit, Gleichheit vor dem Gesetz, Selbstbestimmung, Menschenwürde”, schreibt Scholz in einem Gastbeitrag für die “Welt”.

Dem gegenüber träten die demokratischen Länder der Welt allerdings derzeit so geschlossen auf wie lange nicht, so Scholz: “Hier zeigt sich, was uns als Demokratien verbindet: Die Überzeugung, dass Recht der Macht Grenzen setzen muss.” Scholz ist überzeugt: “Nur die Demokratie ist geeignet, die Probleme des 21. Jahrhunderts in den Griff zu bekommen.”

0.36 Uhr: Selenskyj dankt Biden für Milliardenhilfe

Der ukrainische Präsident Selenskyj begrüßt die neue finanzielle Unterstützung aus den USA im Krieg gegen Russland als “wichtigen Schritt”. In seiner täglichen Videobotschaft hat Selenskyj sowohl US-Präsident Joe Biden als auch dem amerikanischen Volk für die Hilfe, die der Kongress “hoffentlich schnell” unterstützen werde gedankt. Biden hatte zuvor in Washington angekündigt, den Kongress um die Bewilligung von weiteren 33 Milliarden US-Dollar (31,4 Milliarden Euro) für die Ukraine zu bitten. 20 Milliarden davon sollen für Militärhilfe genutzt werden, etwa 8,5 Milliarden für wirtschaftliche Hilfe. “Wir müssen das tun”, sagte Biden im Weißen Haus.

0.20 Uhr: Kiew und Sofia vereinbaren Zusammenarbeit

Die Ukraine und Bulgarien haben eine enge Zusammenarbeit im militärischen und auch wirtschaftlichen Bereich vereinbart. Das teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstagabend nach einem Treffen mit dem bulgarischen Regierungschef Kiril Petkow mit.

“Ein weiteres Thema, auf das wir uns geeinigt haben, ist die Lieferung von ukrainischem Strom nach Bulgarien und die Nutzung der Transbalkan-Gaspipeline zusammen mit der bulgarischen Seite”, sagte Selenskyj. Russland hatte erst am Mittwoch wegen angeblicher Nichtbezahlung die Lieferung von Erdgas an Bulgarien eingestellt.

yks
DPA
AFP



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