Ukraine-Krieg
Melnyk äußert sich zu Geheimhaltung bei Waffenlieferungen

Die Bundesregierung hält sich bei der Lieferung von Waffen an die Ukraine bedeckt. Botschafter Andrij Melnyk fordert einen offeneren Dialog.

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, widerspricht der Aussage von Bundesverteidigungsministern Christine Lambrecht (SPD), sein Land poche bei den deutschen Waffenlieferungen auf Geheimhaltung.

«Das stimmt nicht. Das ist die Linie, für die sich die Ministerin entschieden hat», sagte Melnyk am Mittwochabend in der ARD-Talksendung «Maischberger/Die Woche». Es gebe leider «keinen offenen Dialog über das, was wir brauchen», kritisierte der Botschafter. «Dieser Dialog läuft jedoch am 42. Tag des Krieges immer noch sehr schwer und jeder Tag kostet viel zu viel Menschenleben», beklagte Melnyk.

Lambrecht hatte am Mittwoch im Bundestag die weitgehende Geheimhaltung bei der Lieferung von Waffen an die Ukraine mit entsprechenden Bitten der ukrainischen Seite begründet. «Wenn wir über die Art und Anzahl der gelieferten Waffen nicht öffentlich reden, dann hat das einen guten Grund: Die Ukraine hat ausdrücklich darum gebeten. Und wir halten uns daran», sagte sie in einer Aktuellen Stunde.

Der Botschafter lobte, Deutschland tue nun viel mehr als noch vor einer Woche. «Aber die Deutschen – auch die Verteidigungsministerin – wissen sehr wohl, was wir im Moment benötigen: Und das sind schwere Waffen.» Man könne Städte wie das belagerte Mariupol nicht mit einer Panzerfaust befreien. «Man braucht Panzer, Artillerie, Mehrfach-Raketenwerfer.»

Russische Truppen waren vor sechs Wochen in das Nachbarland einmarschiert. Am Wochenende hatten vor allem Bilder von teils gefesselten Leichen auf den Straßen des Kiewer Vororts Butscha Entsetzen ausgelöst. Die Ukraine macht russische Truppen für die Gräueltaten an Hunderten Bewohnern verantwortlich. Moskau bestreitet das und spricht von einer Inszenierung, aber ohne Beweise vorzulegen. Inzwischen verdichten sich Hinweise auf eine bevorstehende russische Großoffensive der Russen im Osten.

dpa



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