Symptome, Ursachen, Hausmittel & Antibiotika


Die bakterielle Vaginose zählt zu den häufigsten Erkrankungen der Scheide. Treffen kann sie jede Frau. Die Folgen reichen von harmlosen Verläufen über Entzündungen bis hin zu Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt.

Als bakterielle Vaginose bezeichnen Fachleute eine Veränderung der Scheidenflora – genauer: eine veränderte Zusammensetzung der darin vorhandenen Bakterien. Mit Flora sind in der Medizin allgemein alle Mikroorganismen gemeint, die eine Körperregion besiedeln.

Normalerweise besteht die Scheidenflora hauptsächlich aus Milchsäurebakterien (auch Laktobazillen genannt). Bei einer bakteriellen Vaginose ist die Zahl der Milchsäurebakterien jedoch verringert. Andere Bakterien, die sonst nur vereinzelt in der Scheidenflora vorkommen, vermehren sich hingegen stark.

Etwa fünf Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter haben eine bakterielle Vaginose. Unter Schwangeren sind es sogar bis zu 20 Prozent. Erfahren Sie, wie es zu der Fehlbesiedlung der Scheide kommt, welche Folgen sie haben kann und was dagegen hilft.

Bakterielle Vaginose: Symptome

Oft verläuft eine bakteriellen Vaginose ohne Symptome: Mindestens die Hälfte der betroffenen Frauen verspürt keinerlei Beschwerden.

Wenn eine bakterielle Vaginose Symptome hervorruft, dann handelt es sich meist um einen dünnflüssigen, manchmal schaumigen, grau-weißen Scheidenausfluss. Der Ausfluss riecht typischerweise auffällig fischig. Der Geruch kann sich nach dem Geschlechtsverkehr und während der Periode verstärken. Den betroffenen Frauen ist das alles oft sehr unangenehm.

Slipeinlagen: Dünnflüssiger, grau-weißer Ausfluss aus der Scheide kann ein Anzeichen für eine bakterielle Vaginose sein. (Quelle: Getty Images/Tatiana Syrtseva)Slipeinlagen: Dünnflüssiger, grau-weißer Ausfluss aus der Scheide kann ein Anzeichen für eine bakterielle Vaginose sein. (Quelle: Tatiana Syrtseva/Getty Images)

Bei einigen Frauen führt die bakterielle Vaginose zu einer Scheidenentzündung. Symptome hierfür sind zum Beispiel:

  • Juckreiz und Brennen in der Scheide
  • Scheidentrockenheit
  • geröteter Scheideneingang
  • geschwollene Scheidenschleimhaut
  • Beschwerden beim Wasserlassen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Unter Umständen kann eine bakterielle Vaginose auch schwerwiegendere Symptome nach sich ziehen. So kann eine Scheideninfektion in der Schwangerschaft das Risiko für vorzeitige Wehen, eine Fehlgeburt oder Frühgeburt leicht erhöhen.

Zudem erhöht eine Scheideninfektion bei allen Frauen das Risiko, dass weitere Erreger die Scheide infizieren und/oder dass sich die Erreger der Scheideninfektion ausbreiten. Zu den möglichen Folgen von aufsteigenden Infektionen infolge der bakteriellen Vaginose gehören vor allem:

  • Eileiter- und Eierstockentzündung (Adnexitis)
  • Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis)

Bakterielle Vaginose: Ursachen

Eine bakterielle Vaginose entsteht durch ein gestörtes Scheidenmilieu. Ursache hierfür ist ein Ungleichgewicht in der Scheidenflora.

Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist die Schleimhaut einer gesunden Scheide überwiegend von Milchsäurebakterien besiedelt. Diese Bakterien bilden Milchsäure. Das sorgt für ein leicht saures Scheidenmilieu mit einem pH-Wert von 4,5 bis 3,8.

Schon gewusst?
Die Milchsäurebakterien, die normalerweise die Scheidenschleimhaut von Frauen im gebärfähigen Alter besiedeln, werden auch Döderlein-Bakterien oder Döderlein-Stäbchen genannt (nach dem deutschen Frauenarzt Albert Döderlein).

In einem sauren Milieu können sich viele andere Mikroorganismen nur schlecht vermehren. Die Milchsäurebakterien halten also die Scheidenflora im Gleichgewicht und schützen gleichzeitig vor Infektionen. Nimmt die Zahl der Milchsäurebakterien ab, steigt das Risiko für eine bakterielle Vaginose.

Denn wenn weniger Milchsäurebakterien vorhanden sind, steigt der pH-Wert. Die Folge: Andere Bakterien der Scheidenflora können sich nun stark vermehren und die Milchsäurebakterien immer weiter zurückdrängen. Am häufigsten (zu 95 %) sind Gardnerellen für eine solche bakterielle Vaginose verantwortlich. Zu den weiteren möglichen Erregern zählen:

  • Mobiluncus spp.
  • Atopium vaginae
  • Bacteroides
  • Mykoplasmen
  • Streptokokken

Dass die Scheidenflora so aus dem Gleichgewicht gerät, dass eine bakterielle Vaginose entsteht, kann mehrere Ursachen haben. Das Scheidenmilieu reagiert auf viele hormonelle und äußere Einflüsse und verändert sich im Lauf des Lebens ständig.

Kleine Störungen bekommen die Milchsäurebakterien in einer gesunden Scheide normalerweise in den Griff, sodass das leicht saure Scheidenmilieu schnell wiederhergestellt ist. Doch bestimmte Risikofaktoren können eine bakterielle Vaginose begünstigen. Mögliche Ursachen für ein solches erhöhtes Risiko sind zum Beispiel:

  • übertriebene Intimhygiene (wie der Einsatz von Scheidenspülungen, Seife oder Duschgel)
  • häufiger Sex (vor allem bei oft wechselnden Partnerinnen oder Partnern)
  • Behandlung mit Antibiotika zum Einnehmen
  • Östrogenmangel
  • Blutungen (etwa während der Periode)
  • Stress
  • Rauchen

Bakterielle Vaginose: Ansteckung

Wie die Bezeichnung „bakterielle Vaginose“ schon sagt, spielen bei der Scheidenerkrankung Bakterien eine Rolle. Diese sind auch übertragbar – etwa durch Geschlechtsverkehr. Doch nach Ansicht mancher Fachleute zählt die bakterielle Vaginose nicht zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen im engeren Sinn.

Die bakterielle Vaginose selbst ist nicht direkt ansteckend

Die bakterielle Vaginose entsteht nicht durch Ansteckung mit einem Krankheitserreger, sondern durch ein gestörtes Scheidenmilieu. Dieses verursacht ein Ungleichgewicht zwischen den sonst in der Überzahl vorhandenen Milchsäurebakterien und anderen Bakterien, die meist ebenfalls natürlich in der Scheide vorkommen.

Schon gewusst?
Das hauptsächlich für die bakterielle Vaginose verantwortliche Bakterium Gardnerella vaginalis ist auch bei fast einem Drittel der Frauen ohne bakterielle Vaginose nachweisbar.

Bakterielle Vaginose kann völlig unabhängig von sexueller Aktivität auftreten – auch bei Frauen, die noch nie Sex hatten. Allerdings haben Frauen, die sexuell sehr aktiv sind, ein erhöhtes Risiko für eine bakterielle Vaginose. Etwa, wenn sie neue Sexualpartnerinnen oder Sexualpartner haben oder diese oft wechseln.

Zudem kommt es bei einer bakteriellen Vaginose eher zur Ansteckung mit Krankheitserregern, da diese sich durch das gestörte Scheidenmilieu leichter ansiedeln können. So haben etwa 30 Prozent der Frauen mit sexuell übertragbaren Erkrankungen gleichzeitig eine bakterielle Vaginose.

Frau mit Beschwerden im Genitalbereich: Eine bakterielle Vaginose erhöht das Risiko für Infektionen mit Krankheitserregern. (Quelle: Getty Images/Doucefleur)Frau mit Beschwerden im Genitalbereich: Eine bakterielle Vaginose erhöht das Risiko für Infektionen mit Krankheitserregern. (Quelle: Doucefleur/Getty Images)

Bakterielle Vaginose: Hausmittel

Manche Frauen versuchen, eine bakterielle Vaginose mit Hausmitteln selbst zu behandeln oder zu verhindern. Andere setzen auf solche Mittel, um die ärztliche Behandlung zu unterstützen und die Heilung zu fördern.

Hausmittel gegen bakterielle Vaginose sollen meist den pH-Wert in der Scheide senken. Dies zielt darauf ab, schädliche Bakterien zu verdrängen und so das Gleichgewicht in der Scheidenflora wiederherzustellen.

Beispiele hierfür sind in Naturjoghurt getränkte Tampons oder Sitzbäder in Essig- oder Zitronenwasser. Ob solche Hausmittel wirklich gegen eine bakterielle Vaginose helfen und wie sicher sie sind, ist aber unklar. Zu empfehlen sind sie wegen möglicher Nebenwirkungen (wie etwa Reizungen der Scheidenschleimhaut) jedenfalls nicht.

Häufig nehmen Frauen auch Zäpfchen oder Kapseln mit lebenden Milchsäurebakterien ein, um eine bakterielle Vaginose zu behandeln. Womöglich können diese Hausmittel – ergänzend zu einer Antibiotika-Behandlung – das Risiko für Rückfälle senken. Doch der wahre Nutzen und die Nebenwirkungen dieser Mittel sind noch nicht gut untersucht.

Schon gewusst?
Der beste Schutz vor einer bakteriellen Vaginose ist ein starkes Immunsystem. Stärken können Sie Ihre Abwehrkräfte, indem Sie sich gesund und ausgewogen ernähren, körperlich aktiv sind und aufs Rauchen verzichten. Wichtig ist auch, bei der Intimpflege nur pH-neutrale Mittel zu verwenden.

Bakterielle Vaginose: Antibiotika-Therapie

Eine bakterielle Vaginose ist gut mit Antibiotika behandelbar. Fachleute empfehlen Metronidazol oder Clindamycin: Beide Wirkstoffe können als Tabletten eingenommen oder als Zäpfchen oder Creme in die Scheide eingeführt werden. Bei Schwangeren im ersten Schwangerschaftsdrittel ist nur eine örtliche Behandlung geeignet.

Damit die Therapie optimal gegen die bakterielle Vaginose wirkt, ist es wichtig, die Antibiotika genauso anzuwenden wie verordnet. Je nach Wirkstoff, Darreichungsform, Dosierung und Ausmaß der Beschwerden dauert die Therapie ein bis sieben Tage.

Wichtiger Hinweis:
Solange die bakterielle Vaginose trotz Antibiotika-Therapie noch Beschwerden bereitet, verzichten Sie am besten auf Geschlechtsverkehr. Hat Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihnen Metronidazol verschrieben, sollten Sie für die Dauer der Behandlung zudem keinen Alkohol trinken: Denn beides zusammen verursacht Übelkeit.

Ratsam ist eine Antibiotika-Therapie spätestens dann, wenn eine bakterielle Vaginose Beschwerden bereitet. Das gilt auch in der Schwangerschaft: Eine frühzeitige Behandlung kann das Risiko für Fehlgeburten senken, das durch die Scheideninfektion leicht erhöht ist.

Frauen, bei denen die bakterielle Vaginose keinerlei Symptome hervorruft, brauchen hingegen meist keine Antibiotika. Anders sieht es aus, wenn ein operativer Eingriff am Unterleib ansteht oder eine Schwangere ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt hat.

Dann sind Antibiotika auch bei einer bakteriellen Vaginose ohne Symptome sinnvoll, um das Risiko für Komplikationen nach der OP beziehungsweise für eine Frühgeburt zu senken.

Rückfälle trotz Antibiotika

Häufig tritt die bakterielle Vaginose wiederholt auf: Rund ein Drittel der Frauen hat schon drei Monate nach der Antibiotika-Therapie einen Rückfall. Nach einem Jahr liegt die Rückfallquote sogar bei 50 Prozent.

Manchmal raten Ärztinnen und Ärzte betroffenen Frauen dazu, langfristig Metronidazol einzunehmen. Inwieweit eine solche antibiotische Langzeittherapie bei bakterieller Vaginose vor Rückfällen schützt, ist jedoch nicht hinreichend nachgewiesen.

Auch eine Mitbehandlung der Partnerin oder des Partners scheint bei einer bakteriellen Vaginose nicht nötig zu sein: Es ist nicht erwiesen, dass dies die Heilung beschleunigt oder Rückfällen vorbeugt.

Gut zu wissen
Frauen, die mit Intrauterinpessar („Spirale“) verhüten und häufiger eine bakterielle Vaginose haben, kann es helfen, auf ein anderes Verhütungsmittel umzusteigen.



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