Schumachers Feind im eigenen Team: Das Duell mit dem Teamkollegen wird immer giftiger

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Formel 1
Schumachers Feind im eigenen Team: Das Duell mit dem Teamkollegen wird immer giftiger

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Antitypen: Nikita Masepin und Mick Schumacher (r.)

Antitypen: Nikita Masepin und Mick Schumacher (r.)

© James Gasperotti / DPA

In Zandvoort ist der Konflikt zwischen den Haas-Piloten Mick Schumacher und Nikita Masepin erneut eskaliert. Dabei ist die Rollenverteilung ziemlich eindeutig. Teamchef Günther Steiner wird wohl dazwischenhauen müssen, bevor Schlimmeres passiert.

Am vergangenen Wochenende hat es gleich zwei Mal gekracht zwischen den Kontrahenten. Im Qualifying am Samstag in Zandvoort überholte Mick Schumacher bei langsamer Fahrt Teamkollege Nikita Masepin, kurz bevor es auf die schnelle Runde ging. Der beschwerte sich nachher beim Team heftig, weil Schumacher sich nicht an die Absprache gehalten habe: „Ich mag es nicht, wenn jemand dreist ist, obwohl es nur um den 19. Platz geht. Das zeigt dessen wahres Gesicht, und das toleriere ich nicht.“ Schumacher konterte kühl: „Ich weiß nicht ganz, was er rumerzählt“. Er habe sich vorher die Erlaubnis des Teams geholt, was auch stimmte. Kleiner Nebeneffekt der Kabbelei: Schumacher bremste Sebastian Vettel aus, als er neben Masepin fuhr und machte dem Vierfach-Weltmeister die schnelle Runde kaputt. Vettel kam dadurch nicht über Q1 in der Qualifikation hinaus, Schumacher entschuldigte sich danach brav.

Im Rennen gerieten die Streithähne erneut aneinander, diesmal aber war die Angelegenheit etwas gefährlicher, weil sie sich bei Tempo 300 zutrug. Wieder wollte Schumacher den Teamkollegen überholen, doch der wechselte im letzten Moment die Spur und versperrte den Weg. Das Problem: Das Manöver ereignete sich an der Einfahrt zur Boxenkasse, eine sehr gefährliche Stelle, weil dort ein Poller steht. Nebenbei beschädigte Masepin mit der rüden Aktion den Frontflügel des Deutschen. Schumacher musste ihn austauschen lassen und fiel nach dem Boxenstopp weit abgeschlagen auf den letzten Platz zurück. Es sei zwar „ein hartes Manöver“ gewesen, sagte Masepin hinterher, aber relativierte: „So sollte es immer sein“. Am Ende musste der Russe wegen eines Hydraulikschadens aufgeben, während Schumacher das Rennen zu Ende fuhr.

Teamchef Steiner wird robust einschreiten müssen

Wie in der Formel 1 üblich, wolle man das intern klären, kündigte Haas-Teamchef Günther Steiner danach an. Das scheint nötig, denn es liegt in der Natur der Sache, dass sich derartige Konflikte nicht von selbst lösen. Das Gegenteil ist der Fall: Sie neigen dazu zu eskalieren. Steiner ist harte Auseinandersetzungen zwischen seinen Fahrern gewohnt. Die ehemaligen Haas-Piloten Romain Grosjean und Kevin Magnussen zerlegten sich sogar gegenseitig die Autos. Steiner musste oft mit geschwollener Halsader einschreiten. Die Schreiereien sind einer der Höhepunkte in der Netflix-Doku „Drive to survive“.

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Gut möglich, dass der Südtiroler Charakterkopf jetzt wieder seine Stimme erheben muss, um den Dauerkonflikt zwischen Masepin und Schumacher unter Kontrolle zu kriegen. Seit die beiden 22-Jährigen als Rookies bei Hass angeheuert haben, beharken sie sich. Das liegt zum einen an der natürlichen Konkurrenz. Für jeden Formel-1-Fahrer gilt: Zuerst musst Du Deinen Teamkollegen schlagen. Die Reihe der teaminternen Duelle ist legendär. Zum anderen liegt es daran, dass die beiden im langsamsten Auto des Feldes sitzen. Nicht mal mit den Alfa Romeos oder Williams, den beiden anderen Schlusslichtern, können sie sich messen. Wenn sie gegeneinander kämpfen, geht es um Platz 19 und 20. Sie haben nur sich, das verstärkt die Rivalität.

Zandvoort ist die nächste Eskalationsstufe

Die Vorfälle in Zandvoort waren bislang die Tiefpunkte. Ähnlich hart war der junge Russe bisher nur einmal beim Rennen in Baku vorgegangen. Dort hatte er ebenfalls versucht, ein Überholmanöver Schumachers durch einen plötzlichen Spurwechsel zu verhindern, ebenfalls bei Tempo 300. Masepin entschuldigte sich damals für die krasse Aktion (sie hatte auch keinen Erfolg).

Was die giftige Rivalität befeuert, ist die eindeutige Rollenverteilung. Mick Schumacher ist als Sohn einer der größten Formel-1-Fahrers aller Zeiten mit ordentlich Vorschusslorbeeren in sein erstes Jahr gestartet. Als Formel-2-Weltmeister bewies er, dass er über das nötige Talent verfügt. Zudem weiß er, wie er sich zu verhalten und was er zu sagen hat (und was nicht). Seine öffentlichen Auftritte sind professionell, überzeugend und strahlen ein gewisse Freundlichkeit aus. Er beschreibt seinen Vater vor allem als Helden seiner Kindheit und als großes Vorbild. Vom Druck eines Übervaters keine Spur. Dabei verrät er nicht das kleinste Detail über dessen Gesundheitszustand. Man nimmt ihm seine Rolle ab, zudem wird von er von Ferrari protegiert.

Ganz anders Masepin, dem die Rolle des Bad Boy in diesem Duell zufällt. Der Sohn eines russischen Oligarchen fiel einer breiteren Öffentlichkeit zuerst auf, nachdem ein Video öffentlich worden war, in dem Masepin einer Bekannten an die Brust grapscht. Der junge Russe (zuletzt Fünfter in der Formel 2) verdankt den Sprung in die Formel 1 in erster Linie dem Geld seines Vaters – ein klassischer Paydriver, dem es offenbar an Talent mangelt. Nicht nur Ralf Schumacher, Onkel von Mick, hält den Russen für schlicht überfordert. Masepin fiel schon häufiger durch ungeschickte Manöver auf und behinderte andere Fahrer. Und er ist Schumacher bislang hoffnungslos unterlegen. Bei den Rennen lautet die Bilanz 10:2 für den Deutschen (ein Ausfall), in den Qualifyings steht es 11:2.

So gewinnt man den Eindruck, dass sich Masepin mit den Mitteln gegen die teaminterne Konkurrenz wehrt, die ihm zur Verfügung stehen. Im Team Haas sollten sie bald eine Lösung für den Konflikt finden, sonst kann es teuer werden.

Quellen: „Süddeutsche Zeitung“, „Motorsport total“



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