Tennisstar in Turbulenzen
„Ich bin nicht geimpft“ – Djokovics Sieben-Stunden-Verhör im Protokoll

Novak Djokovic

Novak Djokovic war zwei Mal an Covid erkrankt.

© Paul Crock / AFP

Von halb eins bis viertel vor acht am Morgen des 6. Januar wurde Novak Djokovic in Melbourne vernommen. Aus der Gesprächsabschrift geht deutlich hervor, was über den Tennisstar nur gemutmaßt wurde.

30 Seiten umfasst die Abschrift von Novak Djokovics Vernehmung. Am 6. Januar, um 0.21 Uhr begann das Interview, zwei australische Zollbeamte haben mit dem Tennisstar gesprochen, mehrfach gab es Pausen und Unterbrechungen. Am Ende, um viertel vor acht am Morgen, ging es nur noch darum, mit welcher Airline er nach Melbourne geflogen sei. Die müsse nun informiert werden, so der Interviewer, weil sie den Serben wieder zurück nach Dubai fliegen müsse.

Novak Djokovic: „Ich bin nicht geimpft“

Einer der aufschlussreichsten Passagen der Vernehmung kommt relativ schnell zu Beginn, als der Grenzbeamte den Sportler nach seinen Daten fragt und wissen will, wie es um seine Impfung steht. „Ich bin nicht geimpft“, sagt Djokovic. „Gegen Covid-19? Nicht geimpft?“, fragt der Interviewer nach. „Ich bin nicht geimpft“, so der Serbe. Bislang wurde seine Impfverweigerung immer nur angenommen, weil er seinen Status nie öffentlich gemacht hatte. Nach dem Gesprächsprotokoll ist es aber nun offiziell. Darin gibt die Nummer eins der Tennisweltrangliste an, dass er bereits zweimal an Corona erkrankt gewesen sei, zuletzt Mitte Dezember. Und genau das dürfte der Auslöser für den Schlamassel gewesen sein.

Das sieht, kurz gefasst, so aus: Die Grenzbehörden wollte ihm die Einreise untersagen, ein Gericht aber hat die Entscheidung aufgehoben. Dennoch muss Djokovic weiter um seine Teilnahme an den Australian Open bangen – denn der Einwanderungsminister Alex Hawke kann die Gerichtsentscheidung noch aufheben. Die Regierung hat bereits durchblicken lassen, dass sie Djokovic das Visum verweigern wolle. Wie auch immer sein Fall ausgehen wird, am Ende scheinen alle Beteiligten beschädigt zu sein. Das Interview-Protokoll belegt zwar nicht, dass die Beamten dem Sportler aus reiner Willkür die Einreise verweigert hätten, aber sonderlich hilfreich und transparent haben sie sich auch nicht gerade gezeigt.

Deutlich wird das etwa gegen vier Uhr morgens, als der Interviewer Djokovic die Rechtsgrundlagen erläutert und dann sagt: „Nun, da ich ihnen das dargelegt habe, gebe ich ihnen 20 Minuten, um uns Gründe zu nennen, warum wir Ihr Visum nicht widerrufen sollten.“ Djokovic entgegnet: „Also, sie geben mir von Rechts wegen 20 Minuten um ihnen Informationen zu besorgen, die ich nicht habe? Um vier Uhr morgens? Ich finde, sie bringen mich in eine heikle Situation, ich kann um vier kaum den Direktor von Tennis Australia (dem Ausrichter der Australian Open, d.Red.) anrufen. Ich kann mich über Tennis Australia mit niemanden von der Landesregierung von Victoria kurzschließen. Ich weiß nicht, was ich ihnen sonst noch sagen könnte.“

Was hätte Djokovic sonst noch tun können?

Wie aus der Mitschrift hervorgeht, scheint Djokovics Einreise an bürokratischen Formalitäten gescheitert zu sein – oder vielleicht auch an der Interpretation der Vorgaben. Im Wesentlichen argumentiert der Sportler, dass er sämtliche angeforderten Unterlagen über seine Agentin an Tennis Australia und/oder an die Landesregierung des Bundesstaats Victoria, in dem Melbourne liegt weitergeleitet habe. Die wiederum hätten den Visumsantrag dann an die zuständige Bundesbehörde geschickt, die dann per QR-Code grünes Licht für ihn gegeben hätten. Der Grenzbeamte allerdings wendet ein, dass ihm eine Bestätigung durch den Bund fehlen würde, zudem würde ein Genesenstatus nicht die geforderten Impfungen ersetzen – so die komplizierte Gemengelage in Kürze.

 

Vor Gericht argumentierten Djokovics Anwälte, dass die Ausnahmegenehmigung für seine Visumserteilung von zwei unabhängigen medizinischen Gremien genehmigt worden war. Richter Anthony Kelly folgte ihrer Sichtweise und ordnete an, die Annullierung des Visums aufzuheben, da er das Verhalten der Behörden für unverhältnismäßig halte. „Was hätte dieser Mann noch mehr tun können?“, so Kelly.

Freundlich aber kühl

Insgesamt sieben Mal wurde Novak Djokovic in der australischen Nacht des 6. Januar vernommen. Nach rund sieben Stunden endet das Gespräch; es ist zu lesen, wie der Tennisprofi von einem „Detaining Officer“ namens Beck in ein Hotel in der Stadt begleitet wird, wo er die folgenden Tage verbringen musste. Der Umgang der Beamten mit dem Tennisstar ist freundlich und formell, aber mitunter auch bürokratisch und kühl. In gewisser Weise macht das Protokoll auch sehr deutlich, warum der Staat Australien für seine harschen Einreisebedingungen berüchtigt ist.

Quellen: Federal Court Australien, DPA, AFP



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