Neue Studie
So gefährlich ist eine Corona-Infektion für Schwangere – und das Kind

Corona und Schwangerschaft

Immer mehr Studien belegen, wie stark die Corona-Impfung Schwangere schützt. 

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Corona-Infektionen in der Schwangerschaft können zur Gefahr für Mutter und Kind werden. Trotzdem scheuen sich noch immer viele Schwangere vor der Spritze. Welche fatalen Folgen das haben kann, zeigt eine neue Studie aus Schottland.

Impfen oder nicht impfen? Eine Entscheidung, die vielen schwangeren Frauen noch immer schwer fällt. Sie fürchten, dass sie mit der Impfung ihr ungeborenes Kind gesundheitlich schädigen könnten. Dabei gilt es inzwischen als erwiesen, dass nicht die Impfung, sondern eine Corona-Infektion während der Schwangerschaft für Mutter und Kind blitzgefährlich werden kann. Wie wichtig die Immunisierung für werdende Mütter ist, das verdeutlichen Daten einer Gesundheitsstudie aus Schottland, die kürzlich im renommierten Fachblatt „Nature Medicine“ erschienen ist.

Im Rahmen der Studie analysierte ein Forscherteam der Universität Edinburgh Daten von Frauen, die zwischen März 2020 bis Oktober 2021 schwanger wurden, darunter 4950, die sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert hatten. Ein Großteil der infizierten Frauen, mehr als 77 Prozent, waren demnach ungeimpft. Und: jede fünfte schwangere Ungeimpfte erkrankte so schwer an Covid-19, dass sie im Krankenhaus behandelt werden musste. Zum Vergleich: bei den Schwangeren mit Impfdurchbrüchen musste nur jede Zwanzigste ins Krankenhaus. Noch deutlicher sind die Zahlen von den Intensivstationen. Nahezu alle schwangeren Patientinnen, die intensivmedizinisch betreut werden mussten, waren ungeimpft – 98 Prozent laut Studie. Eine Frau starb.

Erhöhtes Risiko für ungeimpfte Schwangere

Eine Corona-Infektion ist aber nicht nur gefährlich für werdende Mütter, sondern auch für die Kinder. Insgesamt wurden in dem Untersuchungszeitraum 2364 Babys auf die Welt gebracht. 101 Babys wurden zu früh geboren. Elf Frauen, die sich während der Schwangerschaft mit dem Coronavirus infiziert hatten, brachten ihr Kind tot auf die Welt. Acht weitere Babys starben kurz nach der Geburt. Alle Mütter, deren Kinder verstarben, waren zum Zeitpunkt der Infektion ungeimpft gewesen. Die Forschenden schränken allerdings ein, dass sie keinen Zugang zu detaillierten klinischen Aufzeichnungen der Frauen gehabt hätten. Dadurch ist es nicht möglich zu beurteilen, welchen Einfluss die Corona-Infektion auf die Frühgeburten und Todesfälle gehabt habe. Hinweise, dass es vermehrt zu Früh- oder Fehlgeburten nach der Corona-Impfung kommt, liegen hingegen keine vor.

Eine entscheidende Rolle, welche Auswirkung eine Covid-19-Erkrankung auf die Schwangeren hat, könnte auch der Zeitpunkt der Infektion spielen. Laut der schottischen Studie stieg das Risiko schwerer zu erkranken mit dem Schwangerschaftsfortschritt. Etwa jede dritte Schwangere, die sich in den Wochen vor der Geburt infizierte, musste im Krankenhaus behandelt werden, im zweiten Trimester war es nur etwa jede Zehnte, im ersten Trimester 6,7 Prozent. Auch die Gefahr aufgrund einer Corona-Infektion auf der Intensivstation zu landen, ist laut Studienergebnissen für Hochschwangere am größten.

Zu einem anderen Ergebnis kamen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in den USA. Ein Forscherteam aus Seattle war nach der Auswertung von Krankenakten zu dem Ergebnis gekommen, dass gerade Infektionen in einer früheren Schwangerschaftsphase, in Trimester eins und zwei, das Risiko von Früh- und Totgeburten steigerte. Die Forschenden des Institute for System Biology hatten Daten von 882 mit Corona infizierten Schwangeren analysiert. Keine der Frauen war zum Zeitpunkt der Infektion geimpft gewesen. Die Ergebnisse wurden in „The Lancet Digital Health“ publiziert.


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Impfung für Schwangere dringend empfohlen

Dass in Schottland so viele Schwangere zum Zeitpunkt der Infektion ungeimpft waren, liegt unter anderem daran, dass in Großbritannien, wie in vielen anderen Ländern, dazu gehört auch Deutschland,  die Schutzimpfung für Schwangere zunächst nicht empfohlen wurde. Es mangelte an Daten. Denn in die ersten Zulassungsstudien hatte man Schwangere und Stillende nicht einbezogen. Eine Vorsichtsmaßnahme. Bis die Daten vorlagen, die ersten Impfungen gesetzt werden konnten, dauerte es daher.

Seit Mai vergangenen Jahres empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe die Corona-Impfung für Schwangere, die Ständige Impfkommission folgte im September. Seither können sich Frauen ab der 13. Schwangerschaftswoche mit einem mRNA-Vakzin impfen lassen.

Quelle: Nature Medicine, The Lancet Digital Health, RKI, Science Media Center



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