Netzhautablösung: Wer besonders gefährdet ist


Bei Anzeichen für eine Netzhautablösung gilt: sofort zum Augenarzt! Eine frühzeitige Therapie kann das Auge meist noch retten. Zu spät erkannt droht die Erblindung. Hier erfahren Sie, welche Symptome typisch sind.

Die Netzhaut ist für das Sehvermögen sehr wichtig: Sie wandelt einfallendes Licht in Nervenimpulse um, „übersetzt“ es also in Informationen, die das Gehirn verarbeiten kann. Bei einer Netzhautablösung funktioniert diese Umwandlung nicht mehr richtig. Darum führt sie zu Sehstörungen: Im Gesichtsfeld erscheinen zum Beispiel Lichtblitze, schwarze Punkte oder dunkle Felder.

Wir erklären, wie es zu diesen Symptomen kommt, was dann zu tun ist und wie Sie einer Netzhautablösung vorbeugen können.

Netzhautablösung: Definition und Einteilung

Bei einer Netzhautablösung lösen sich zwei Schichten innerhalb der Netzhaut voneinander: Die neurosensorische Schicht, in der lichtempfindliche Sinneszellen (Lichtrezeptoren) und Nerven sitzen, trennt sich von den darunterliegenden Schichten, der Pigmentschicht und der Aderhaut.

Diese Trennung hat verheerende Folgen für die neurosensorische Schicht. Denn die Pigmentschicht versorgt sie mit lebenswichtigen Nährstoffen und Sauerstoff. Geht der Kontakt zwischen ihnen verloren, sterben die Lichtrezeptoren und Nervenfasern an der betroffenen Stelle ab.

Für die Ablösung kann es verschiedene Gründe geben. Je nach Ursache unterscheiden Fachleute zwischen

  • rissbedingter,
  • exsudativer und
  • zugbedingter Netzhautablösung.

Die häufigste Form ist die rhegmatogene (rissbedingte) Netzhautablösung. Durch den Riss gelangt Flüssigkeit aus dem Glaskörper (also dem Innenraum des Augapfels) zwischen die beiden Netzhautschichten und trennt diese voneinander.

Zur exsudativen Netzhautablösung kommt es, wenn Flüssigkeit aus Gefäßen der Aderhaut austritt und sich zwischen Netzhaut und Aderhaut drängt.

Die traktive (zugbedingte) Netzhautablösung entsteht durch Narben im Glaskörper oder in der Netzhaut. Wenn diese sich verkürzen, ziehen sie von innen an der Netzhaut, was mit der Zeit zu deren Ablösung führt.

Netzhautablösung: Symptome erkennen

Anzeichen für eine Netzhautablösung sind plötzliche Sehstörungen in einem Bereich des Gesichtsfeldes. Diese äußern sich zum Beispiel durch

  • dunkle Felder, die sich ausbreiten,
  • Lichtblitze,
  • Flecken oder Fäden, die mit der Blickrichtung mitwandern, sowie
  • schwarze Punkte, die wie „Rußregen“ erscheinen.

Typisch sind vor allem die sich ausbreitenden dunklen Felder. Die Betroffenen beschreiben sie häufig als Mauer oder Schatten, der von unten nach oben steigt oder sich von oben nach unten bewegt.

Ist eine Netzhautablösung schmerzhaft?

Nein, eine Netzhautablösung ruft keine Schmerzen hervor. Augenschmerzen deuten auf andere Ursachen hin, etwa auf eine Entzündung der Bindehaut oder der Hornhaut. Bei einer Bindehautentzündung sind die Augen zusätzlich gerötet und tränen, auch ein Fremdkörpergefühl kann auftreten. Starke Schmerzen, die mit Lichtempfindlichkeit einhergehen, sprechen eher für eine Hornhautentzündung.

Handelt es sich eher um einen brennenden Schmerz, mangelt es den Augen möglicherweise an Tränenflüssigkeit. Ein starkes Brennen kann auch entstehen, wenn die Augen zu viel Sonnenstrahlung abbekommen haben.

Wenn die Augen nach längeren Arbeitsphasen oder nach einigen Stunden des Lesens wehtun, steckt möglicherweise eine Sehschwäche dahinter. Darüber hinaus kann auch eine Nebenhöhlenentzündung Augenschmerzen nach sich ziehen.

Netzhautablösung: Ursachen und Risikofaktoren

Die häufigste Ursache für eine Netzhautablösung ist ein Riss oder Loch in der Netzhaut, etwa durch eine Verletzung oder eine sogenannte Glaskörperabhebung. Dabei löst sich der Glaskörper hinten im Auge von der Netzhaut ab. Die Stellen in der Netzhaut, an denen der Glaskörper zuvor angehaftet hat, können dadurch einreißen. Durch diese kleinen Risse kann Flüssigkeit in die Netzhaut eintreten, was zu der Ablösung führt.

Eine Glaskörperabhebung tritt manchmal als Folge einer Verletzung des Auges auf. Sie ist aber auch Teil des normalen Alterungsprozesses: Die gelartige Füllung des Glaskörpers wird im Alter immer flüssiger.

Bei den meisten Menschen geschieht das allmählich und führt nicht zu Beschwerden. In seltenen Fällen führt die Verflüssigung jedoch dazu, dass der Glaskörper in sich zusammenfällt – und in der Folge die Netzhaut reißt

Neben dem höheren Lebensalter gibt es noch weitere Einflüsse, die das Risiko für eine Glaskörperabhebung erhöhen. Zum Beispiel starke Kurzsichtigkeit: Da kurzsichtige Menschen einen längeren Augapfel haben, muss der Glaskörper bei ihnen mehr Raum füllen. Somit kommt es eher dazu, dass er sich ablöst.

Auch hat sich gezeigt, dass ein kürzlich operierter grauer Star das Risiko für eine Netzhautablösung erhöhen kann.

Weitere Ursachen

Bei bestimmten Erkrankungen können die Blutgefäße im Auge Schaden nehmen, sodass Flüssigkeit aus ihnen austritt. Wenn sich diese zwischen Netzhaut und der darunterliegenden Aderhaut sammelt, lösen sich die beiden Häute immer weiter voneinander.

Fachleute sprechen dann von einer „exsudativen“ Netzhautablösung: Exsudat ist der medizinische Begriff für die Flüssigkeit, die bei Entzündungen oder Verletzungen aus Gefäßen austritt. Zu den möglichen Ursachen für diese Form der Netzhautablösung gehören verschiedene Tumorerkrankungen, Bluthochdruck sowie Morbus Coats, eine sehr seltene, angeborene Netzhauterkrankung.

Eine ebenfalls seltene Form der Netzhautablösung ist die „traktive“, also zugbedingte. Sie heißt so, weil die Netzhaut von der Aderhaut abgezogen wird. Grund dafür sind Narbenstränge, die bei bestimmten Erkrankungen – zum Beispiel bei Diabetes – im Glaskörper oder in der Netzhaut entstehen können. Sie ziehen an der Netzhaut, weil sie sich mit der Zeit verkürzen.

Ist Netzhautablösung vererbbar?

Oftmals kommt eine Netzhautablösung bei mehreren Mitgliedern einer Familie vor. Der Grund dafür ist, dass viele der Risikofaktoren für diese Erkrankung auch erblich bedingt sind. Das gilt insbesondere für die Kurzsichtigkeit, aber auch für einen grauen Star und Diabetes.

Netzhautablösung: Diagnose

Wer Anzeichen für eine Netzhautablösung bei sich bemerkt, sollte so schnell wie möglich zur Augenärztin oder zum Augenarzt. Je eher die Erkrankung erkannt wird, umso besser lässt sie sich behandeln.

Die Ärztin oder der Arzt wird zunächst nach den genauen Symptomen fragen und dann eine Augenuntersuchung durchführen, und zwar grundsätzlich an beiden Augen. Denn auch wenn zunächst meist nur ein Auge von der Netzhautablösung betroffen ist, besteht beim anderen Auge ebenfalls ein Risiko dafür. Zeichnet sich dort bereits eine beginnende Ablösung ab, kann die Ärztin oder der Arzt diese durch eine Laserbehandlung verhindern.

So läuft die Untersuchung ab

Vor der Untersuchung bekommt die oder der Betroffene Augentropfen verabreicht, die die Pupillen weiten. (Da diese die Sicht für einige Stunden einschränken können, sollte am besten eine Begleitperson mit zur Untersuchung kommen.)

Dann schaut die Ärztin oder der Arzt mit einem speziellen Gerät in das betroffene Auge und untersucht – durch die nun geweiteten Pupillen – den Augenhintergrund. Hat sich die Netzhaut tatsächlich abgelöst, ist das in der Regel an charakteristischen Veränderungen erkennbar. Die Netzhaut ist zum Beispiel nicht mehr ganz durchsichtig, sondern kann faltig und blass-grau erscheinen. Hat ein Riss zur Ablösung geführt, kann die Ärztin oder der Arzt auch diesen sehen.

In bestimmten Fällen ist zusätzlich zur Augenspiegelung noch eine Ultraschall-Untersuchung nötig. Zum Beispiel wenn Blutungen im Glaskörper die Sicht auf den Augenhintergrund behindern. Bei der Untersuchung wird der Schallkopf entweder über das geschlossene Auge, also das Augenlid, geführt oder bei örtlicher Betäubung auf das geöffnete Auge.

Netzhautablösung: Behandlung per Laser und OP

Bei Vorstufen einer Netzhautablösung lässt sich eine Operation meist vermeiden: In diesem Stadium besteht die Chance, die Netzhaut durch eine Laser- oder Kältetherapie zu „flicken“. Dabei richtet die Ärztin oder der Arzt einen Laserstrahl oder eine Kältesonde auf den Bereich der Netzhaut, der den Riss oder das Loch umgibt.

Dadurch entstehen winzige Narben, die die Netzhautschichten miteinander verknüpfen und eine weitere Ablösung verhindern. Die Laser- oder Kältebehandlung findet in der Regel ambulant statt. Die oder der Betroffene muss dafür also nicht ins Krankenhaus.

So läuft die Operation ab

Hat sich die Netzhaut schon abgelöst, reicht eine Laserbehandlung nicht aus. Das Auge lässt sich dann nur noch durch eine zeitnahe Operation retten. Wie diese abläuft, hängt davon ab, was zu der Ablösung geführt hat und wie weit diese bereits fortgeschritten ist.

Häufig kommen sogenannte eindellende Operationsverfahren zum Einsatz. Dabei näht die Ärztin oder der Arzt eine Plombe oder ein Band aus Silikon von außen an die oberste Schicht des Augapfels (Lederhaut). So wird der Augapfel in einem Bereich eingedellt und verformt sich: Er dehnt sich nach hinten hin aus und drückt so die Netzhaut an die Aderhaut.

Damit die Netzhautschichten möglichst schnell wieder fest zusammenwachsen, folgt meist zusätzlich eine Behandlung mit der Kältesonde: Die Ärztin oder der Arzt erzeugt damit kleine Narben, die die Netzhautschichten wieder aneinander fixieren.

In bestimmten Fällen – zum Beispiel bei großen Rissen oder ungünstig gelegenen Löchern in der Netzhaut – sind eindellende Verfahren nicht aussichtsreich. Dann besteht die Möglichkeit, den Glaskörper vollständig zu entfernen und durch Gas oder eine durchsichtige Flüssigkeit (Silikonöl) zu ersetzen. Die neue Füllung drückt die abgelösten Stellen der Netzhaut wieder zusammen.

Beide Eingriffe erfolgen entweder unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose.

Nach der Operation: Wie lange ist man krank?

„Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit kann der Augenfacharzt, der für die Nachbehandlung zuständig ist, beurteilen. Sie lässt sich nur für den jeweiligen Einzelfall abschätzen und hängt unter anderem davon ab, wie stark das betroffene Auge beeinträchtigt ist, welche Tätigkeiten die Patientin oder der Patient im Beruf ausübt, sowie von seinem Allgemeinbefinden“, sagt Augenarzt Prof. Reinhard Burk.


Prof. Reinhard Burk ist Chefarzt der Augenklinik am Klinikum Bielefeld und Autor mehrerer Lehrbücher aus dem Fachbereich Augenheilkunde.

Unser Experte

Prof. Reinhard Burk

Prof. Reinhard Burk ist Chefarzt der Augenklinik am Klinikum Bielefeld und Autor mehrerer Lehrbücher aus dem Fachbereich Augenheilkunde.

Ist eine Netzhautablösung heilbar?

In den meisten Fällen ist eine Netzhautablösung gut behandelbar. Wenn ein Riss oder Loch die Ursache war, verläuft die Operation in etwa 90 Prozent der Fälle erfolgreich. Das heißt: Bei 90 von 100 Patientinnen und Patienten gelingt es, die Netzhautschichten wieder zu befestigen.

Inwieweit sich das Sehvermögen dadurch erhalten lässt, hängt vor allem davon ab, ob die Behandlung rechtzeitig erfolgt ist oder nicht. Dort, wo die neurosensorische Netzhautschicht von ihrer Unterlage gelöst ist, werden die Zellen nicht mehr mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt, wodurch sie irgendwann absterben.

Je eher die Ablösung „geflickt“ wird, umso mehr Zellen können gerettet werden und umso geringer ist das Risiko für bleibende Schäden und dauerhafte Sehstörungen.

„Ob das Sehvermögen vermindert wird, richtet sich danach, in welchem Ausmaß die Netzhaut in ihrer Funktion beeinträchtigt ist. Wenn die Stelle des schärfsten Sehens, die Makula, mit einbezogen ist, kann das Sehvermögen auch nach vollständiger operativer Wiederanlagerung der Netzhaut weiterhin beeinträchtigt sein. Veränderungen in den äußeren Bereichen der Netzhaut führen zur Beeinträchtigung der äußeren Gesichtsfeldgrenzen. Die Patientinnen und Patienten nehmen dies jedoch nicht notwendigerweise wahr“, sagt Prof. Burk.

Es hat sich gezeigt, dass sich bestimmte Faktoren ungünstig auf die Heilungschancen auswirken. Eher schlecht stehen diese beispielsweise

  • bei sehr starker Kurzsichtigkeit,
  • wenn viele oder große Rissen in der Netzhaut entstanden sind oder
  • wenn zusätzlich ein Loch im zentralen Bereich der Netzhaut (Makula) vorhanden ist.

Schäden in der Makula haben deshalb so starke Auswirkungen auf das Sehvermögen, weil die Makula den Punkt des schärfsten Sehens enthält. In ihr sind die Sehzellen besonders dicht angeordnet.

Netzhautablösung: Wie vorbeugen?

Frühzeitig bemerkt lässt sich eine Netzhautablösung meist noch verhindern. Stellt die Ärztin oder der Arzt im Rahmen einer Augenuntersuchung Vorstufen der Ablösung fest, kann sie oder er die Netzhaut durch eine Laser- oder Kältebehandlung wieder befestigen.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen helfen dabei, solche Vorstufen rechtzeitig zu erkennen. Da Netzhautablösungen insgesamt selten vorkommen, sind solche Untersuchungen aber nicht für alle Menschen empfehlenswert, sondern nur für Personen mit bestimmten Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit für eine Netzhautablösung erhöhen.

„Wichtig sind regelmäßige Kontrollen vor allem bei Kurzsichtigkeit, auch nach einer operativen Korrektur“, sagt Prof. Burk. „Denn durch den Eingriff ändern sich zwar die erforderlichen Korrekturwerte, strukturelle Besonderheiten der Netzhaut bestehen jedoch unverändert fort.“

Auch Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes sollten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt darüber sprechen, ob regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Netzhaut notwendig sind – und wenn ja, in welchen Abständen.



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