Micky Beisenherz über Facebook und seinen neuen Namen Meta


M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier
Facebook & Co.: Ein neuer Name löst keine alten Probleme

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Micky Beisenherz

© Illustration: Dieter Braun/stern

Facebook, Astra Zeneca oder Kanye West: Wer Probleme hat, besorgt sich einen neuen Namen. Wir alle können davon lernen.

Von Micky Beisenherz

Ein Zeichen dafür, dass Sie womöglich auch schon etwas älter sind, ist der arglose Gebrauch des Spruchs „Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix“. Eine lässig verwendete Redewendung, die ihren User unweigerlich als betagt ausweist.

Zwanzigjährige jedenfalls können sich an dieses Rebranding nicht erinnern. Was wenig verwunderlich ist, da dies tatsächlich bereits 1991 (!) geschah. Damals war die CDU noch korrupt, der Osten hatte ein Nazi-Problem, und der Umwelt ging es nicht gut. Kann man sich heute nicht mehr vorstellen, ich weiß.

Das Prinzip der Umbenennung ist nicht neu, bekommt dieser Tage aber wieder einmal neues Futter, da sich der grenzsatanische Kommunikationskonzern von Mark Zuckerberg, die Hassfabrik Facebook, umbenennen möchte. Da man sich eh schon dasselbe Blau teilt und der Eindruck entsteht, bei dem sozialen Netzwerk handele es sich um eine geistige Entrichtungsbox, wäre Dixi-Land passend. Passiert aber nicht. Meta soll der megalomanische Konzern nun heißen.

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Meta bedeutet ja so viel wie „Über“, und auch dies lässt darauf schließen, dass künftig wohl eher nicht die neue Bescheidenheit einziehen wird.

Es bleibt ein drolliger Versuch, mit neuer Namensgebung die problematische Grundausrichtung überzulackieren. Als könne man die Taliban dadurch positiver besetzen, indem man sie „Konservativer Kumpelkreis Kabul“ nennen würde. Auf dem Kudamm würden ja auch dann nicht weniger Leute totgefahren, wenn das Ding plötzlich Baerbock-Avenue hieße.

Diese neuen Labels sind immer wieder amüsant: Kanye West heißt jetzt Ye, Karl-Marx-Stadt ist Chemnitz, und „Der 7. Sinn“ läuft unter „The Fast and the Furious“. Das Tempolimit ist ebenfalls vom Tisch. Im Apothekermilieu knallen die Korken. Dabei war es eh längst passé. „Sicherheitstempo“ war der angestrebte neue Begriff, da „Tempolimit“, ja, nun, halt so etwas Limitierendes, Freiheitsbeschränkendes hat.

Impfstoff von Astra Zeneca heißt plötzlich Vaxzevria

Hätte die abwehrende Zielgruppe natürlich dennoch nicht gewollt. Ähnlich lief es beim Impfstoff von Astra Zeneca, der durch eine entsetzliche Kommunikationsstrategie und unglückliche Studien den Leuten plötzlich so sicher erschien wie Dreharbeiten mit Alec Baldwin. Da half es nicht, dass das Vakzin im Frühjahr den Namen Vaxzevria bekam.

Aber wenn Konzerne ihren Namen wechseln, könnten wir nicht auch etwas daraus lernen? Sind wir uns sicher, dass wir im Umgang miteinander die richtige Sprache gefunden haben? Ist es ratsam, Menschen, die sich zieren, sich impfen zu lassen, als „Impfgegner“ zu bezeichnen? Was bringt uns diese oft so trennende Sprache?

Wir sind schnell dabei, Etiketten zu verteilen. Sie helfen uns, die Welt einzuordnen. Dummerweise reißen wir so zu oft Gräben auf. Was absurd ist, da Sprache dazu da sein sollte zu verbinden. Wo aber jeder Zweite eine „Klimasau“, ein „Nazi“ oder ein „Öko-Spinner“ ist, werden rhetorische Waffen stumpf. Dann ist jeder ein Idiot, alles ein Skandal. Ausleben kann man die Verwünschungen in den gängigen digitalen Etikettiermaschinen, egal ob sie Facebook oder Metakäse heißen.

Es ist schon komisch: Die Plattform denkt sich für ein und dasselbe Problem (sich selbst) neue Namen aus, während die User oft für die unterschiedlichsten Sachverhalte immer nur dasselbe Etikett parat haben.

Hier wird mit Sprachmacht eindeutig am falschen Ende gespart.

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