Formel 1
Mick Schumacher wird Ersatzfahrer bei Ferrari: Aber ist er gut genug, um Stammpilot zu werden?

Mick Schumacher wird systematisch als Ferrari-Fahrer aufgebaut

Mick Schumacher, Mitglied der Ferrari Driver Academy, wird systematisch als Fahrer bei den Italienern aufgebaut

© Elmar Kremser / Sven Simon / Picture Alliance

Mick Schumacher wird nach seinem ersten Jahr in der Formel 1 zum Ferrari-Ersatzfahrer. Es ist ein weiterer Schritt in der Karriereplanung, die irgendwann als Stammpilot der Scuderia enden soll. Aber ist er wirklich gut genug für das große Ziel?

Normalerweise interessiert sich außerhalb der Formel 1 niemand dafür, wer bei welchem Rennstall Ersatzfahrer für die nächste Saison wird. Ersatzfahrer haben einen ähnlichen Status wie Mechaniker in der Garage. Sie gehören zum Heer der Namenlosen, die in diesem Sport arbeiten. Etwas anderes ist es, wenn man Schumacher heißt und und die Meldung über den Ticker kommt, dass Ferrari eben Mick Schumacher für die nächste Saison als Ersatzfahrer verpflichtet. 

Die Geschichte von Michael Schumacher, Micks Vater, und Ferrari ist eine der größten, die dieser Sport je geschrieben hat. Die Verbindung ist quasi heilig, die fünf Weltmeisterschaften von 2000 bis 2004 ragen in der Geschichte des Rennstalls neben vielen weiteren WM-Titeln heraus. So wird aus einer normalerweise unbedeutenden Meldung ein kleines Ereignis.

Mick Schumacher hat also nach seiner Debütsaison in der Formel 1 eine Belohnung erhalten und wird im nächsten Jahr neben Antonio Giovinazzi Ersatzfahrer beim Team aus Maranello. Das heißt, dass er für elf Rennen bereitstehen muss, falls einer der Stammfahrer Charles Leclerc oder Carlos Sainz ausfallen. Seinen Hauptjob beim Haas-Rennstall wird Mick Schumacher weiter verrichten. 

Ferrari-Teamchef: Mick Schumacher wird noch besser

„Mick ist ein Ferrari-Fahrer, er gehört zur Ferrari Driver Academy, er hat sich mit Haas gut geschlagen, die ganze Saison 2021“, sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto dem TV-Sender RTL. „Das finale Ziel der Ferrari Driver Academy ist es, den nächsten Fahrer für Ferrari zu finden.“ Für den italienischen Traditionsrennstall sei es daher wichtig, „ihn immer zu unterstützen und ihm zu helfen“. Schumacher sei „sehr glücklich“ über seine neue Rolle, sagte Binotto weiter: „Wir glauben, dass er in Zukunft noch besser wird.“

Genau das ist die Preisfrage: Wie gut ist der Sohn des Siebenfach-Weltmeister wirklich? Oder profitiert Mick mehr von seinem Namen, als es sein Talent hergibt? 

Das Problem ist: Niemand kann bislang wirklich beurteilen, wie gut Schumacher junior wirklich ist. Das Haas-Auto, das ihm in der abgelaufenen Saison zu Verfügung stand, war das langsamste. Selbst der Abstand zu Alfa Romeo oder Williams, neben Haas die beiden schwächsten Teams der Saison, war zu groß, als das Schumacher angreifen konnte.

Der einzige Maßstab, an dem sich Schumacher messen konnte, war der gleichaltrige Teamkollege Nikita Masepin. Ein russischer Pilot, der wegen der millionenschweren Mitgift seines Vaters in der Formel 1 fährt. Das Ergebnis ist eindeutig: In den Rennen steht die Bilanz bei 15 zu 5 für Schumacher (unverschuldete Ausfälle durch Unfälle mit eingerechnet) und im Qualifying ist die Sache noch klarer. Schumacher war 19 Mal schneller, Masepin nur 2 Mal. Allerdings ist der junge Russe kaum ein Maßstab. Er drehte sich in seinem Auto so oft auf der Strecke, dass er vom Team den Spottnamen Mase-Spin (von spin/drehen) erhielt. Wie der junge Schumacher sich in einem schnelleren Auto mit einen stärkeren Konkurrenten schlägt, lässt sich daraus nicht ablesen. Zudem unterliefen Schumacher ebenfalls Dreher und Abflüge.

Mick Schumacher ist lernfähig

Blickt man auf seine Leistungen in den Nachwuchsserien zurück, lässt sich zumindest ein Schluss ziehen: Schumacher brauchte jeweils ein Jahr, um zu lernen. Im zweiten Jahre holte er sowohl in der Formel 3 wie in der Formel 2 den Titel. Lernfähigkeit ist eine seiner Stärken. Das ist genau das, was ihm Binotto bescheinigt: Mick sei über das Jahr bei Haas schneller geworden, der Abstand zu den anderen Teams immer geringer.

Was Schumacher daneben auszeichnet, sind Ehrgeiz und Beharrlichkeit. Er hat stets betont, wie viel ihm die Formel-1-Karriere bedeutet. Er verfolgt das Ziel einerseits konsequent, wirkt dabei jedoch realistisch. Mit Blick auf die Frage, ob er jemals für Ferrari fahren wird, sagte er mal: „Die Geschichte meines Vaters verbindet mich sehr damit. Ob ich dort landen werde, weiß ich nicht. Das ist eine Frage, die im Moment noch weit in der Zukunft liegt.“ Aktuell ist sie zumindest ein wenig näher gerückt.

Dass er nicht über ein Überflieger-Talent verfügt wie Sebastian Vettel, Lewis Hamilton oder Max Verstappen, der mit 17 Jahren seinen ersten Grand Prix gewann, weiß er vermutlich selbst. Doch das muss nichts heißen. Talente entwickeln sich. An welchem Punkt eine Entwicklung endet, kann niemand vorhersagen. So sehr Ferrari auf den Namen Schumacher setzt, sie würden Michael Schumachers Sohn nicht ins Cockpit setzen, wenn sie nicht auch an sein sportliches Talent glauben. So viel Realitätssinn muss man der Scuderia zutrauen unabhängig von dem Zauber, den die Verbindung versprüht.

Quellen: DPA, „motor-sport-total“



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