Megafactory Trinity – so will das VW-Imperium Tesla in die Schranken weisen

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Megafactory Trinity – so will das VW-Imperium Tesla in die Schranken weisen

Wolfsburg bleibt der Stammsitz von Volkswagen.

Wolfsburg bleibt der Stammsitz von Volkswagen.

© Moritz Frankenberg / Picture Alliance

VW nimmt die Herausforderung an und baut eine eigene Megafactory. Räumlich soll sie nah am Stammwerk liegen, die Mentalität muss aber ganz anders sein.

VW-Chef Herbert Diess hat den Bau eines neuen Werks am Hauptsitz Wolfsburg angekündigt. Trinity soll den „Automobilbau in Wolfsburg revolutionieren“, so der Manager. Das solle kürzere Produktionszeiten und effizientere Arten der Zusammenarbeit ermöglichen. Die Messlatte ist Tesla, die Produktivität soll deutlich verbessert werden. In zehn Stunden soll ein neuer Wagen entstehen.

Produktivitätsprobleme 

Die Ankündigung hat positive Seiten. Etwa dass der Konzern auch in der Zukunft Fahrzeuge in Deutschland bauen wolle und VW die Position als innovativer Autobauer nicht einfach Tesla und seinen Fabriken überlassen wird. Andererseits wirft die Ankündigung ein bezeichnendes Licht auf die Zustände bei Volkswagen. Es ist kein Geheimnis, dass die Einführung der modularen Produktionsstraßen nie den erwünschten Produktivitätsgewinn gebracht hat und Volkswagen hohe Kosten beim Anfahren neuer Linien hat.

Diess macht aber auch deutlich, dass es bei VW ein Mentalitätsproblem gibt. Die Konzernzentrale müsse verändern, sagte der Vorstandschef. „Und da machen wir sehr gute Fortschritte.“ Eine neue Haltung sei notwendig, der Wettbewerb insbesondere durch Tesla, müsse aktiv angenommen werden. Um das zu schaffen, müssen die gesamten Strukturen geändert werden. Nicht nur Tesla fordert VW heraus, sondern auch die chinesischen Autobauer, auch wenn sie sich in Europa noch zurückhalten. „Aber wir müssen natürlich das Unternehmen verbessern. Da geht es auch darum, Strukturen aufzubrechen. Das Unternehmen in Frieden zu lassen, wäre gefährlich auch für alle Beschäftigten.“

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Hoher Innovationsdruck

Das Trinity-Projekt wird von 2026 an die Grundlage für eine Baureihe komplett neu entwickelter E-Fahrzeuge bilden. Dabei geht es nicht allein um die „Hardware“-Auto, VW will auch eigene Software und Systeme zum autonomen Fahren anbieten. Trinity ist eine radikale Abkehr von der bisherigen Produktionsphilosophie. In der Vergangenheit haben die klassischen Autobauer immer mehr Teilsysteme an Zulieferer ausgelagert. Bei ihnen blieb das Markenimage, die Abstimmung und die Endmontage – und manchmal nicht einmal das.

Tesla hingegen verfolgt eine entgegengesetzte Strategie. Zentrale Komponenten wie Software, Akkus und Chips werden nicht am Markt eingekauft, sondern selbst hergestellt mit der entsprechenden Kompetenz in der eigenen Firma. Diess bestätigte, dass auch VW in das Chipdesign einsteigen werde. Laut Schätzungen wird der Bau des Werks mindestens einige Hundert Millionen Euro kosten. „Entstehen soll die neue Fabrik auf der grünen Wiese außerhalb des Werkzauns“, so Volkswagen. „Infrage kommen dafür verschiedene Standorte im nahen Umland von Wolfsburg.“ Die dort gebauten Fahrzeuge auch der Tochtermarken bauen auf der neuen Universal-Plattform SSP auf. Auf ihr sollen insgesamt mehr als 40 Millionen Wagen entstehen.

Behördenmentalität

Trinity wird also weit mehr als „just another factory“, das Projekt wird das Selbstverständnis der gesamten Firma ändern. Das bisherige Behördenklima in Wolfsburg muss sich dafür von Grund auf ändern. Fraglich ist dabei, ob sich internationale Talente nach Wolfsburg locken lassen werden. Oder ob hoch innovative Abteilungen dann nicht doch in angesagteren Städten und nicht am Standort des Werks in der norddeutschen Tiefebene angesiedelt werden. Angekündigt wird Trinity als das zweite Werk Wolfsburg, wird es ein Erfolg, wird es der Nachfolger des allten Werks sein. Doch eines hat Diess unmissverständlich klar gemacht: VW setzt weiter auf Deutschland und auch auf Wolfsburg.

Quelle: Handelsblatt



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