Textilfabrik
Quelle 2M TV – Mindesten 28 Tote nach Überflutung einer mutmaßlich illegalen Textilfabrik

Betreiber von „illegaler“ Textilfabrik in Tanger wird zu 1,5 Jahren Haft, 1.000 MAD Strafe und 200.000 MAD Entschädigung für jedes der 29 Todesopfer verurteilt.

Tanger – Im Februar 2021 erschütterte eine Tragödie die Menschen in Tanger und in ganz Marokko. Nach schweren Regenfällen wurde ein Untergeschoss eines Wohnhauses binnen kurzer Zeit überschwemmt und es kamen 29 Menschen ums Leben. Der Hausbesitzer betrieb eine „illegale“ Textilfabrik in diesem Wohnhaus und beschäftigte nach Medienberichten ca. 130 Menschen in der nicht korrekt angemeldeten Betriebsstätte. Die Tragödie in der Hafenstadt im Norden Marokkos zeigte für viele die teilweise vorhandenen Arbeits- und Lebensbedingungen vieler einfacher Menschen sowie die mutmaßlich „wegschauende“ Haltung der Behörden auf.

Im Zusammenhang des Aufschreies der Menschen im ganzen Land, die die zuständigen Behörden aufforderten, die Kontrollen und die geltenden Gesetze bezüglich der Einhaltung der Sicherheitsvorschriften am Arbeitsplatz zu verschärfen, befragte sogar König Mohammed VI. den Innenminister auf der Ministerratssitzung vom 11. Februar 2021 direkt zu dieser Tragödie und den Maßnahmen, die ergriffen wurden, um die Wiederholung ähnlicher Ereignisse zu verhindern.

Im Zuge der ersten Ermittlungen wurde der Besitzer des Gebäudes und Betreiber der Textilfabrik verhaftet und angeklagt. Nun sprach das Gericht in erster Instanz in Tanger sein Urteil.

Gericht sah keine Tötungsabsicht beim Betreiber der Textilfabrik.

Am Mittwoch, den 8. Dezember 2021, verkündete das Gericht erster Instanz in Tanger sein Urteil wegen folgender Anklagepunkte:

„Verursachung des Todes ohne Tötungsabsicht und unbeabsichtigte Körperverletzung aufgrund der Nichteinhaltung der geltenden Gesetze und der Verletzung des Gesundheitsnotstands, der Eröffnung eines Unternehmens ohne Genehmigung, der Ausbeutung von Minderjährigen ohne Genehmigung und der Nichteinhaltung der Hygiene- und Sicherheitsbedingungen im Unternehmen“. Der Besitzer der Textilfabrik wurde vom Gericht erster Instanz in Tanger zu eineinhalb Jahren Haft und 1.000 marokkanischen Dirham MAD (weniger als 100 EURO) Geldstrafe verurteilt, berichtet Seddik Benzina, Korrespondent des staatlichen TV-Senders 2M in Tanger. Außerdem wurde das Unternehmen „Amendis“ zu einer Geldstrafe von 200.000 MAD (ca. 19.000 EURO*) als Entschädigung für jedes der Opfer verurteilt. Ob damit die juristische Aufarbeitung beendet ist, oder die Staatsanwaltschaft bzw. die Verteidigung in Berufung gehen wird, ist noch nicht klar.

*Wechselkurs Stand 10. Dezember 2021

Marokko – Tragödie in Tanger – Fabrikbesitzer in Untersuchungshaft



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