Außenminister
Quelle marokkanisches Außenministerium – Außenminister Nasser Bourita – Außenminister Augusto Santos Silva Portugal unterzeichnen virtuell Abkommen

Zugang für marokkanische Arbeitskräfte zu dem portugiesischen Arbeitsmarkt per Abkommen nun geregelt.

Lissabon / Rabat – Viele wohlhabende Länder der Welt und auch in Europa sehen sich einem aktuellen und stetig wachsenden Fachkräftemangel ausgesetzt, der meist durch eine alternde Bevölkerung und durch unattraktive Niedriglohnsektoren befeuert wird. Allen ist klar, dass der Fachkräftemangel meist nur durch Migration ausgeglichen werden kann. Während in der EU die Länder des Nordens sich vor mehr Migration fürchten und Politiker mit der vermeintlichen Angst vor Fremdheit teilweise Wahlkampf machen, erkennen gerade die etwas weniger wohlhabenden Länder des Südens Europas, dass vor ihren Landesgrenzen, auf der anderen Seite des Mittelmeers, nicht selten gut bis hochqualifiziertes Fachpersonal vorhanden ist, oder für den Niedriglohsektor auf Arbeitskräfte, sogar auf Zeit, zugegriffen werden kann.
Spanien nutzt vor allem letzteres Potential seit Jahren für die Landwirtschaft. Frankreich greift auf Ingenieure, IT-Spezialisten und Mediziner aus Algerien und Marokko zu, die z.B. in Marokko meist mit Steuergeldern im staatlichen kostenfreien Bildungssystem ausgebildet worden sind und die Landessprache fließend beherrschen.

Nun hat auch Portugal das Potential für sich in Marokko entdeckt und geregelt erschlossen und damit auch eine Chance gesehen, den irregulären Migrationsdrang in einen regulierten Prozess umzuwandeln.

Portugal
Quelle marokkanisches Außenministerium – Außenminister Nasser Bourita

Marokko und Portugal unterzeichnen ein Abkommen über die Beschäftigung und den Aufenthalt von marokkanischen Arbeitnehmern in Portugal.

Die Außenminister Marokkos und Portugals, Nasser Bourita und Augusto Santos Silva, unterzeichneten am Mittwoch, den 12. Januar 2022, ein bilaterales Abkommen, über die Beschäftigung und den Aufenthalt marokkanischer Arbeitnehmer in Portugal. Das Abkommen zielt in erster Linie darauf ab, die Zugangs- und Aufenthaltsverfahren für marokkanische Staatsbürger zur Ausübung einer beruflichen Tätigkeit in der Portugiesischen Republik festzulegen. Es umfasst eine Reihe von Bestimmungen, darunter das Verfahren zur Auswahl und Einstellung von Arbeitnehmern, die allgemeinen Arbeits- und Ausbildungsbedingungen, die Familienzusammenführung und die soziale Sicherheit sowie die Besteuerung.

Gemäß dem Abkommen werden die Nationale Agentur zur Förderung von Beschäftigung und Kompetenzen (ANAPEC) und das portugiesische Gegenstück IEFP unter der Aufsicht der jeweiligen Regierungsbehörden mit der Umsetzung der Bestimmungen beauftragt. „Das Abkommen soll die wachsende Nachfrage marokkanischer Arbeitnehmer nach Arbeitsmöglichkeiten in der portugiesischen Wirtschaft befriedigen“, heißt es in einer Erklärung des marokkanischen Außenministeriums. Zugleich bekommt Portugal damit einen regulierten Zugang auf Fach- und Arbeitskräfte in Marokko.

Abkommen
Quelle marokkanisches Außenministerium – Abkommen zwischen Marokko und Portugal

Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen in Marokko ist vergleichsweise hoch.

Trotz einem stetigen Wirtschaftswachstum und dem Ausbau der Infrastruktur ist gerade die Arbeitslosigkeit unter den jungen Menschen im Alter von unter 25 Jahren hoch. Noch im November 2021 lag die allgemeine Arbeitslosenquote bei 11,8%. Bei den Hochschulabsolventen lag diese Ende Q2 2021 teilweise bei über 25%, laut den Abgaben der HCP. Das sind ähnliche Verhältnisse wie im Nachbarland Spanien. Gerade junge Menschen haben es in Marokko schwer, in den ersten Arbeitsmarkt einzutreten und das Interesse an einem sicheren Posten im Staatsdienst ist entsprechend hoch. Um den sozialen Druck abzufedern, stellt der Staat meist über den tatsächlichen Bedarf hinausgehend Personal ein, was zu Ineffizienz und Bürokratie beiträgt. Zugleich setzt das Königreich auf Unternehmensgründungen und versucht diese durch Programme und Institutionen zu fördern. Doch vielen fehlt die Gründermentalität oder der Forscherdrang und auch die Bürokratie sowie die durch Protektionismus durchzogene Wirtschaft des Königreiches behindert von sich aus, das Aufkommen einer Gründergeneration, wie sie bereits in anderen Ländern Afrikas an den Start gegangen ist. Daher setzten viele junge Menschen auf die Auswanderung, regulär oder irregulär. Marokko und Portugal regeln nun entsprechende Möglichkeiten.

Marokko und Portugal stärken ihre Zusammenarbeit.

Im wirtschaftlichen Bereich haben Marokko und Portugal ihre Beziehungen mit der Schaffung eines Unternehmensrats im November letzten Jahres gestärkt, dessen Ziel es ist, Prioritäten neu auszurichten, Errungenschaften auszubauen und neue innovative Wege für eine fortschrittliche Wirtschaftspartnerschaft zu erkunden. Marokko ist erst das zweite Land, mit dem Portugal ein solches Abkommen geschlossen hat. Zuvor hatte Lissabon erst mit Indien ein vergleichbares Abkommen geschlossen. Die beiden Nachbarländer haben ihre Zusammenarbeit seit mehreren Jahren verstärkt. Die Coronavirus Pandemie sowie die diplomatische Krise zwischen Marokko und Spanien haben den Annäherungsprozess nochmals beschleunigt.

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