Am 14. Januar 1972 übernahm Margrethe II. den Thron von ihrem Vater. In 50 Jahren hat sie Dänemark seitdem durch gute und schlechte Zeiten begleitet – und auch selbst vieles erlebt und einiges aushalten müssen. Über eine Regentin, die ein Land auf eine etwas andere Art führte.

„Es ist für mich schwer zu begreifen, wo diese vielen Jahre geblieben sind. Ich finde, es ist so schnell gegangen.“ So blickte Dänemarks Königin Margrethe II. in ihrer Neujahrsansprache an Silvester auf die vergangenen 50 Jahre ihrer Regentschaft. Am 14. Januar 1972, mit 31 Jahren, übernahm sie den Thron vom verstorbenen König Frederik IX., noch in Trauer um ihren Vater. Vieles habe sich in diesem halben Jahrhundert verändert. „Aber nicht die Liebe für meine Nächsten. Und nicht meine Liebe für dieses Land.“

Eigentlich sollte das goldene Thronjubiläum über mehrere Tage gebührlich gefeiert werden. Doch die Corona-Pandemie macht auch hier einen dicken Strich durch die Rechnung. Doch das Virus „bekommt keine Erlaubnis, zu bestimmen“, betonte die 81-Jährige. „Die Feiern kommen, wenn die Zeit soweit ist, später im Jahr“, verspricht sie ihrem Volk. Im Spätsommer soll es so weit sein.

Für Margrethe musste die Erbfolge geändert werden

Für die Dänen haben die Königin, die Feierlichkeiten zum Jubiläum und das Königshaus eine außergewöhnliche Bedeutung. Deutschen ist das manchmal fremd und wirkt altmodisch. Jakob Steen Olsen, Adelsexperte bei der dänischen Zeitung „Berlingske“, erklärt dem stern: „Wenn man eine Königin hat, die seit tausend Jahren Vorfahren hat, dann ist es auch eine Konstante in der Gesellschaft. Auf diese Weise ist die königliche Familie eine Art historischer Anker für das dänische Volk, ein Sammelpunkt, der zurückweist auf die dänische Geschichte und darauf, wer wir sind und woher wir kommen.“

Am 16. April 1940 erblickt die zukünftige Königin Dänemarks als Margrethe Alexandrine Þórhildur Ingrid das Licht der Welt. Zu dem Zeitpunkt war es ihr allerdings verwehrt, Königin zu werden. Das Erbfolgegesetz, wonach es nur männliche Thronfolger geben konnte, musste erst noch geändert werden. Am 27. März 1953 machte eine Gesetzesreform ihr dann den Weg frei. 2009 wurde die vollständige Gleichstellung in der Erbfolge eingeführt. Das bedeutet, dass das älteste Kind des Regenten – unabhängig vom Geschlecht – den Thron erbt, so wie es in mehreren anderen europäischen Monarchien bereits üblich ist.

Im Oktober 1966 gaben die damalige Noch-Kronprinzessin und Henri Marie Jean André Graf von Laborde de Monpezat ihre Verlobung bekannt. Wie sie im Buch „Enegænger“ verriet, war Henri der erste Mann, mit dem sie ein richtiges „Date“ hatte. Am 10. Juni 1967 folgte die Hochzeit. Aus dem Grafen wurde Prinz Henrik. Das Paar bekam zwei Kinder: Kronprinz Frederik und Prinz Joachim.

Der Ehemann sorgt für Ärger

Prinzgemahl Henrik sorgte allerdings das ein oder andere Mal für Aufsehen. Er machte etwa nie einen Hehl aus seinem Frust, nie zum König ernannt worden zu sein. Er fühlte sich an die dritte Stelle „degradiert“, hinter seinem eigenen Sohn. Im Jahr 2002 zog er sich deshalb nach Frankreich für eine „Denkpause“ zurück. Doch am Ende konnte Margrethe die Krise abwenden. Für Aufsehen sorgte auch seine Sicht auf die Erziehung: „Kinder sind wie Hunde und Pferde. Man muss sie dressieren“, sagte er einst.

Als Retourkutsche für den „Dressur“-Spruch seines Vaters sagte Prinz Frederik zur Silberhochzeit seiner Eltern im Jahr 1992: „Papa, es wird gesagt, dass man den züchtigt, den man liebt. Wir haben nie an deiner Liebe gezweifelt! Manchmal war sie etwas überwältigend.“

Ende 2015 gab Margrethe den Rückzug ihres Gatten von seinen offiziellen Pflichten bekannt. Im Februar 2018 starb ihr geliebter Mann im Alter von 83 Jahren, nachdem bei ihm Demenz sowie ein Lungenleiden diagnostiziert worden waren.


Monarchin von Dänemark: Skandalfrei seit 50 Jahren an der Spitze von Europas ältester Monarchie: Königin Margrethe II.

Für eine weitere kleine Krise sorgten auch Äußerungen Frederiks zu der Erziehung seiner Eltern. 2009 sagte er dem US-Magazin „Parade“, er habe bis zu seinem 21. Geburtstag kaum mit seinen Eltern zu tun gehabt. Er wurde von Kindermädchen großgezogen. Frederik beklagte sich in der Vergangenheit das ein oder andere Mal über eine lieblose Kindheit. Rückblickend gestand Margrethe ein, dass sie sich als abwesende, ungeduldige und generell unzureichende Mutter sehe, die mit kleinen Kindern wenig anfangen konnte. Heute ist das Verhältnis zwischen Margrethe und ihren Kindern deutlich besser.

Das skandalfreie dänische Königshaus

Größere Skandale aber, wie etwa in Großbritannien („Megxit“, Prinz Andrew, Charles, Diana und Camilla) oder in Spanien (Juan Carlos und die mutmaßliche Geldwäsche), sind in Dänemark ausgeblieben. Dafür sorgte Margrethe II. mit ihrer pflichtbewussten Art, die sie auch an die jüngeren Generationen weiterreicht.

„Sie hat verstanden, dass ein ganz besonderes Schicksal auf ihren Schultern liegt. Das heißt, dass es in erster Linie eine Pflicht ist, der sie gerecht werden muss. Dieses Pflichtgefühl hat sich tief in ihr verankert, sie hat es bei allem, was sie getan hat, mitgenommen“, so Olsen.

Was manch einer vielleicht doch kritisch sehen mag: Margrethe ist passionierte Raucherin, was aber vor allem im Ausland eher für Aufsehen sorgt. Die Dänen kennen ihre Landesmutter seit jeher rauchend – ihrer Beliebtheit tut das allerdings keinen Abbruch. 1957 zündete sie das erste Mal eine Zigarette an, wie sie in der neuen Biografie „Unterwegs“ von Tom Buk-Swienty verriet. Dazu gebracht haben sie ausgerechnet ihre Eltern. „Mein Vater und meine Mutter hatten während meiner Kindheit geraucht und eines Tages fragten sie, ob ich eine Zigarette haben wollte.“  Seit 2006 verzichtet Margrethe allerdings darauf, sich in der Öffentlichkeit eine Zigarette anzustecken.

Hier lässt Margrethe sich im November 1999 von Victor Borge in New York Feuer geben.

Auch im höheren Alter will Margrethe nicht auf ihre Zigaretten verzichten. Hier lässt sie sich im November 1999 vom dänisch-amerikanischen Pianisten und Komödianten Victor Borge in New York Feuer geben.

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Margrethe, die Künstlerin

Auch wenn die Margrethe II. als Staatsoberhaupt in ihrer eher repräsentativen Rolle eigentlich keine politischen Ansichten in der konstitutionellen Monarchie äußert, so tritt sie gelegentlich als Mahnerin auf. Im Jahr 1984 tadelte sie ihre Landsleute etwa für „dumme Bemerkungen“ und „Kälte“ gegenüber Einwanderern. Als Dänemark 1992 die Fußball-Europameisterschaft gewann, warnte sie in ihrer Neujahrsansprache, dass ein solcher Sieg auch die Gefahr eines spaltenden Nationalismus berge. In ihrer jüngsten Neujahrsansprache äußerte sie sich zur Corona-Pandemie und dem Klimawandel. Allerdings ist es üblich, dass die Regierung sie darum bittet, in ihren Ansprachen gewisse aktuelle Themen zu erwähnen.

Trotz ihres hohen Alters von 81 Jahren ist Margrethe noch sehr aktiv, begibt sich auf viele Auslandsreisen, so wie im November letzten Jahres nach Deutschland. Eine besondere Leidenschaft: die Kunst. Seit 1970 beschäftigt sich die Königin mit zahlreichen künstlerischen Ausdrucksformen, darunter Malerei, Aquarelle, Grafiken, Buchillustrationen und Stickerei. Ein Großteil dieser Werke wird in Museen in Dänemark und im Ausland gezeigt. Für zahlreiche Theaterstücke und Fernsehserien entwarf Kostüme und Szenenbilder. Sie illustrierte sogar eine 2002 erschienene Neuauflage von J.R.R. Tolkiens Klassiker „Der Herr der Ringe“.

Die Kunst sei für die Landesmutter etwas, in das sie sich vertiefen und wo sie sie selbst sein konnte, etwas zum Entspannen, so Olsen. „Aber es ist auch etwas, dass ihr Respekt und Persönlichkeit verleiht, was die Dänen sehr mögen. Das ist etwas, worauf wir stolz sind. Das haben andere nicht. Auf diese Weise finden wir also, dass unsere Königin etwas Besonderes ist.“

Eine volksnahe Landesmutter

Mit ihrer zuverlässigen, pragmatischen und manchmal auch unkonventionellen Art hat Margrethe II. die dänische Monarchie moderner gemacht. „Sie hat verstanden, dass ein Königshaus an Relevanz verliert, wenn man nicht spürt, dass es seiner Zeit entspricht. Es muss sich ändern, wenn wir uns ändern. Die Königin hat in erster Linie das Königshaus mehr geöffnet, als es das einmal war“, erklärt Olsen. Sie sei ihrem Volk nähergekommen – und so nehme das Volk es auch wahr.

Es müsse dennoch eine gewisse Distanz geben, so der Experte, der diesen Balanceakt mit einem Schmetterling vergleicht: „Berührt man die Flügel, verschwindet der Schmetterlingsstaub und er kann nicht mehr fliegen.“ Es müsse eine Form der Mystik um das Königshaus geben. „Die Königin hat sehr gut signalisiert, dass sie der Souverän ist, etwas Besonderes.“

In der Bevölkerung genießt sie auch deshalb weiterhin sehr große Beliebtheit. „Ich denke, wenn wir jetzt die Republik einführen und es in Dänemark eine Präsidentschaftswahl geben würde, dann würde Margrethe dennoch zur Präsidentin gewählt“, ist sich Olsen sicher. „Die Dänen haben sie als Königin erlebt, die sich um ihre Arbeit gekümmert hat und fleißig war. Sie hat verstanden, dass man nicht nur in seinem Schloss sitzen kann. Man muss raus ins Land und es mit eigenen Augen wahrnehmen und die Dänen treffen.“ Die Kombination aus Nähe zum Volk und Pflichtbewusstsein mache das Königshaus in Dänemark noch beliebter als anderswo, meint Olsen.

Wird Margrethe II. abdanken?

Wie beliebt sie ist, zeigte sich zu ihrem 80. Geburtstag. Wegen der Corona-Pandemie konnte sie nicht groß feiern. Dennoch haben Tausende Dänen ihrer Monarchin ein Ständchen gesungen, zu Hause, im Park, in der Schule. „Das geht gleich ins Herz“, sagte eine gerührte Margrethe. Für ihr goldenes Thronjubiläum wird sich ihr Volk sicher auch etwas einfallen lassen.

Und wie wird die Zukunft für die Monarchin aussehen? Fest steht, dass Frederik sie eines Tages auf dem Thron ablösen wird. Ob die Mutter für den Sohn abdanken wird? Olsen glaubt das nicht. „Ich bin mir ganz sicher, dass die Königin es ernst meint, wenn sie es ablehnt abzudanken.“

Um den zukünftigen König Frederik macht er sich dabei wenig Sorgen. „Frederik ist ja ein ganz anderer Typ als sie. Er hat gesagt, dass er nicht so häuslich ist wie seine Mutter. Er ist eher der Sportliche. Und weil er ein Mann ist, wird er nicht mit seiner Mutter verglichen. Er hat den großen Vorteil, dass die Dänen ihn wahnsinnig mögen. Sie erleben ihn als einen freundlichen Mann, der mit allen reden kann.“

mit Material der DPA und AFP



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