GP Ungarn

Lewis Hamilton schwächelte nach dem GP Ungarn auf dem Podest und kam erst mit Verspätung zur Pressekonferenz. Der Weltmeister deutete an, dass er noch heute unter den Folgen seiner Corona-Erkrankung vom Dezember leide. Bislang hatte er darüber nicht gesprochen.

Man hatte es bereits nach dem Grand Prix von England gesehen. Da sah der Weltmeister nach aufreibenden 52 Runden und einer Aufholjagd zum Schluss nicht mehr wie der Frischeste aus. Zumindest im Moment vor dem TV-Interview. Danach bliesen die Emotionen jedes Unwohlsein weg. Zwei Wochen später wirkte der Mercedes-Fahrer nach seinem dritten Platz, der am Ende sogar ein Zweiter wurde, noch deutlich ausgelaugter. Hamilton schnaufte auf dem Podium schwer.


In der Pressekonferenz im Anschluss blieb sein Platz zunächst frei. Hamilton stieß erst später dazu, weil er zuvor noch beim Team-Arzt vorstellig geworden war. Dann sprach der 99-malige GP-Sieger über sein Wohlbefinden. Er fühle sich nach seinem Husarenritt vom zwischenzeitlichen 14. Platz bis fast an die Spitze müde, erschöpft und benommen. Ihm sei schwindelig gewesen. Auf dem Podest habe er vieles nur verschwommen wahrgenommen. Das sei eine der seltsamsten Erfahrungen überhaupt für ihn gewesen. Schlimmer als in Silverstone.



Lewis Hamilton - Mercedes - GP Ungarn 2021 - Budapest


F1/FIA

Hamilton sah nach dem Rennen wackelig auf den Beinen aus.

Kampf um die Gesundheit

Früher war es üblich, dass ein Grand Prix die Fahrer völlig aussaugte. Im Motorsport ist es inzwischen wie im Fußball. Die Trainingsmethoden sind ausgefeilter, die Ernährung besser gesteuert, die Piloten schlichtweg fitter. Die Autos sind mit Servolenkung und ohne manuelle Gangschaltung auch einfacher zu fahren. Nach manchen Rennen hat man sogar das Gefühl, die Helden in ihren Cockpits würden nicht einmal schwitzen.


Bei Hamilton verhielt sich der Fall anders. Offenbar hat das körperliche Unwohlsein nicht nur mit der kurvigen Strecke in Budapest sondern auch mit seiner Corona-Erkrankung aus dem Vorjahr zu tun. Im Dezember hatte sich der Rekordsieger mit dem tückischen Virus angesteckt und deshalb das zweite Rennen in Bahrain verpasst. Noch heute scheint der Brite unter den Langzeitfolgen zu leiden.


Hamilton deutet es jedenfalls an, ohne das Wort „Long Covid“ in den Mund zu nehmen. „Ich habe das ganze Jahr wirklich mit der Gesundheit gekämpft. Gesund zu bleiben, nach dem, was Ende letzten Jahres passiert ist. Es ist immer noch ein Kampf.“ Das klingt so wie bei vielen Personen, die mit Corona infiziert waren, und auch Monate danach noch unter Symptomen wie schneller Erschöpfung, Atemlosigkeit und eingeschränkter Leistungsfähigkeit leiden.



Alonso - Hamilton - GP Ungarn 2021 - Budapest - Rennen


Motorsport Images

Duell der Champions: Hamilton kämpft in der Schlussphase Alonso nieder.

Hamilton passt Training an

Selbst sein Training hat Hamilton anpassen müssen. Diese körperlichen Probleme hatte er bis Ungarn verheimlicht. Das war nach dem Schwächeanfall dann nicht mehr möglich. „Ich habe mit niemandem speziell darüber gesprochen, aber ich denke, es bleibt. Ich erinnere mich an die Auswirkungen, als ich es hatte. Das Training ist seitdem anders und die Ermüdungsgrade, die ich fühle, sind unterschiedlich. Es ist eine echte Herausforderung. Ich versuche einfach, weiter zu trainieren und mich so gut wie möglich vorzubereiten.“


Wenn ein Weltmeister so spricht, dann ist das eine Nummer. Das spürte auch Nebenmann Esteban Ocon. Der Budapest-Sieger sprang Hamilton zur Seite, damit die Leute den Fall nicht zu hoch hängen. „Mit der Hitze, der Luftfeuchtigkeit und den vielen Kurven ist das eine der härtesten Strecken. Du hast kaum Zeit, um Luft zu holen. Du kämpfst dauernd mit dem Auto. Auch ich fühle mich erschöpft, und bin komplett am Ende.“


Der Rennverlauf hatte dazu geführt, dass Hamilton alles aus seinem Körper herausholen musste. „Es war ein hartes Stück Arbeit. Ich musste bis zur letzten Runde alles geben.“ Ein zu später Wechsel auf Trockenreifen hatte ihn nach dem Neustart auf die 14. Position geworfen. Der Mercedes-Pilot überholte sieben Autos – Schumacher (2x), Giovinazzi, Latifi, Tsunoda, Alonso und Sainz –, den Rest erledigten die Strategen.


Hamilton rätselte, ob vielleicht auch eine andere Ursache zur Erschöpfung führte. „Vielleicht habe ich auch zu wenig getrunken. Ich weiß es nicht, aber diese Erfahrung habe ich definitiv noch nicht gemacht. Ich hatte so etwas Ähnliches in Silverstone, aber das ist viel schlimmer.“ In einem Rennen verlieren die Fahrer schnell zwischen zwei und drei Kilogramm durch Dehydrierung. Lohn war neben dem zweiten Platz auch die WM-Führung, die Hamilton von Verstappen übernahm.




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