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DAZN, Sky und Co: Wer zukünftig Fußball live sehen will, muss tief in die Tasche greifen

Julian Nagelsmann beim DAZN-Interview

Streaminganbieter DAZN überträgt unter anderem Spiele der Bundesliga sowie aus der Champions League. Die Kosten für die Fernsehrechte werden auf die Abonnenten abgewälzt.

© Federico Gambarini / DPA

Vielen Fußballfans fiel am Dienstag die Kinnlade runter: DAZN erhöht für Neukunden die Preise um 100 Prozent. Die Erhöhung war absehbar, DAZN muss die Kosten für Premium-Sportrechte irgendwie reinholen.

Eine Preiserhöhung sorgt in der Regel nicht für Freude. Der Preisanstieg, den der Internetanbieter DAZN am Dienstag verkündete, mündete aber in einem regelrechten Tornado der Entrüstung. Zum 1. Februar hebt der Streamingdienst die Gebühren für Neukunden drastisch an: von monatlich 14,99 Euro auf 29,99 Euro. Das Jahresabo kostet zukünftig 274,99 Euro statt 149,99 Euro. Für Bestandskunden bleibt der Preis bis zum 31. Juli bei 14,99 Euro, wie es danach weitergeht, ist noch unklar. “Derzeit ist noch nicht klar, wie die Preisstruktur ab dem 1. August aussehen wird”, teilte der Streamingdienst auf Twitter mit – was nicht heißt, dass es nicht auch eine Preiserhöhung für Bestandskunden geben wird.

Wie hat sich der Preis bei DAZN entwickelt?

Als DAZN 2016 in Deutschland auf den Markt kam, startete man mit einem Kampfpreis – aber auch mit einem deutlich abgespeckten Paket. Keine Bundesliga, keine Champions League, dafür aber die Premier League hatte der Dienst im Angebot – für damals 9,99 Euro im Monat. In den vergangenen beiden Jahren zog DAZN die Preise jedoch an: Im Sommer 2019 stieg er auf 11,99 Euro monatlich, seit letztem August lag er bei 14,99 Euro, ab Februar 2022 dann bei 29.99 Euro. Gemein: Erst mit der Umstellung auf die neuen Preise und dem Abschluss eines neuen Abos bietet DAZN ein Jahresabo mit monatlicher Zahlung an. Bislang musste der vollständige Betrag sofort gezahlt werden.

Wieso steigen die Preise so stark an?

Was mit einem recht kleinen Programmpaket um die Premier League begann, hat sich mittlerweile zu einem der größten Sportanbieter weltweit entwickelt. Zwar gingen die Rechte an der englischen ersten Liga an Sky verloren, dafür zeigt das Unternehmen mittlerweile aber die Freitags- und Sonntagsspiele der Bundesliga, fast alle Champions-League-Spiele sowie Spiele aus der Ligue 1 (Frankreich), der Serie A (Italien), der Primera Division (Spanien). Dazu kommen Übertragungen aus der NFL, der NBA, Wrestling, oder der UFC und zuletzt auch hochklassige Boxkämpfe – ein Angriff von DAZN auf dem amerikanischen Markt. Alle diese Rechte sind alles andere als günstig, ein Preisanstieg war erwartet worden. Laut “Bild” zahlt DAZN alleine in Deutschland rund 450 Millionen Euro an Übertragungsrechten pro Jahr. Fakt ist: DAZN, einst der Preis-Traum vieler Fußballfans, ist ein Wirtschaftsunternehmen, dessen Ausgaben sich irgendwie rentieren müssen. Ob aber Abonnenten, die nur für Wrestling oder die NBA ein Abo abgeschlossen haben, zukünftig deutlich mehr zahlen wollen, ist zumindest zweifelhaft.

Wer steckt hinter DAZN?

Das DAZN-Konstrukt ist in der Tat etwas undurchsichtig. Gegründet wurde der britische Streamingdienst von der Perform Group, die mittlerweile auch DAZN Group heißt. Diese gehört wiederum zur amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Access Industries, der auch die Warner Music Group gehört und die ebenso Anteile an den Musikdiensten Deezer und Spotify hat. Gründer und Inhaber von Access Industries ist Leonard Blavatnik, der mit einem Vermögen von mehr als 36 Milliarden Dollar laut Forbes zu den 50 reichsten Menschen der Welt gehört. Blavatnik engagiert sich einerseits als Kunst-Mäzen, greift aber auch auf dem Sportrechte-Markt groß an. (Mehr über Len Blavatnik lesen Sie hier)

Was kostet mich der Fußball zukünftig?

Fußballfans hatten sich schon im vergangenen Jahr über die Übertragungs-Zerstückelung des Sports aufgeregt. Bundesliga live sehen? Dafür braucht man ein Abo bei Sky und DAZN. Der DFB-Pokal läuft ebenfalls bei Sky, die Champions League bei DAZN und Amazon Prime, die Europa League sowie die Conference League bei RTL. Wer alle Spiele live sehen will, muss dementsprechend zahlen. Deutlich unübersichtlicher gestaltet sich die Abo-Struktur bei Sky. Wer Bundesliga und DFB-Pokal über Kabel oder Satellit empfangen möchte, zahlt im ersten Jahr noch 29 Euro im Monat, ab dem zweiten Jahr dann 48 Euro. Wer nur über das Internet streamen möchte, kann auf das “Supersport”-Ticket bei “Sky Ticket” zurückgreifen. Das umfasst beide Sportangebote und kostet 29,99 monatlich bzw. im Jahresabo 24,99 pro Monat im ersten Jahr und anschließend 29,99 Euro. Für DAZN werden monatlich zukünftig die bekannten 29,99 Euro fällig, eine Mitgliedschaft bei Amazon Prime kostet derzeit 7,99 Euro im Monat, die Mitgliedschaft bei RTL+, wo alle Spiele der Europa und Conference League gezeigt werden – ein Teil wird auch im Free-TV gezeigt – kostet fünf Euro im Monat. Ohne Rabatte müssen Fußballfans zukünftig im schlechtesten Fall bis zu 91 Euro im Monat zahlen, wenn sie die volle Fußballdröhnung haben wollen – die rein digitale Variante liegt bei 73 Euro pro Monat. Wer sich dann noch den Luxus der dritten Liga gönnen möchte, muss bei Magenta Sport nochmal bis zu 16,95 Euro im Monat zusätzlich berappen.



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