Zehn Meisterschaften in Folge
Rettet die Bundesliga, lasst Bayern München in die Super-League ziehen

Bayern München Dauermeister

Und noch ‘ne Bierdusche: Bayern München feiert mal wieder, wie seit zehn Jahren die Meisterschaft.

© Matthias Balk / DPA

Bayern München hat in der Bundesliga nichts mehr zu suchen. Der Dauermeister blockiert die Spitze, sowie die sportliche Entwicklung, allen voran seine eigene. Wer 50+1 behalten aber Spannung haben will, muss den Klub nach Europa ziehen lassen. 

Zum zehnten Mal in Folge ist der FC Bayern München Deutscher Meister geworden, herzlichen Glückwunsch noch einmal von dieser Stelle. Schon einmal hat eine deutsche Fußballmannschaft dieses Kunststück geschafft: der BFC Dynamo aus Berlin in der DDR-Oberliga. Von 1979 bis 1988 dominierte das Team, was nicht nur am Sportförderungssystem des Landes lag, sondern auch an seiner Nähe zur Staatssicherheit – ungefähr so beliebt wie der Inlandsgeheimdienst war der BFC auch. Nun benötigte der FC Bayern für seine völlig verdienten Erfolge sicher nicht die “Hilfe” von außen, und gerade deshalb wird immer klarer, dass der FC Bayern München nichts mehr in der Bundesliga zu suchen hat.

Bayern muss raus aus der Bundesliga

Auch wenn es dem Verein und vielen Fußball-Traditionalisten schaudert, es hilft nichts. Der dominante Dauermeister muss weg aus dem Oberhaus, irgendwo hin, wo das andere große Geld sitzt, zum Beispiel in die Super-League. Wie genau die auch immer beschaffen sein wird, und selbst wenn sie bloß eine aufgeblasene Champions League wäre. Die goldene Kuh Profifußball ist noch lange nicht ausgemolken, auch wenn das viele Fans im übersättigten Europa vielleicht gerne so hätten. Ein Verein wie Bayern München ist schließlich auch deswegen dort, wo er ist, weil er sich immer bewegt hat, Neuland beschritten, seiner Zeit oft voraus war. Oliver Kahn, dessen “Weiter, immer weiter” sprichwörtlich geworden ist, sitzt nicht umsonst auf dem Vorstandssessel der Fußball-AG.

Wenig verwunderlich steht der vor der Frage, was er auf dem zugeschnürten Heimatmarkt Bundesliga noch bewegen kann, die Liga steht dagegen vor der Frage, wie sie sich mit diesem Ungetüm vor der Nase bewegen soll. Denn der Klub blockiert nicht nur die Tabellenspitze. Er kann auf dem Transfermarkt nach Belieben schalten und walten. Selbst wenn ihm die Konkurrenz ab und an attraktive Posten wegschnappt, wie zuletzt Karim Adeyemi oder Erling Haarland, ist es immer noch der FCB, der seine Verfolger nach Belieben ausplündert. Stichwort: Julian Nagelsmann, Dayot Upamecano, Marcel Sabitzer. Soll das jetzt also immer so bleiben? Mutmaßlich dürfte selbst den Vereinsverantwortlichen bereits langweilig sein. Es ist deswegen längst überfällig, dass Bayern München “den nächsten Schritt geht”, wie es in einer dieser ausgelutschten Fußballerphrasen heißt.

Bayern zuletzt kein Top-5-Verein mehr

Und dieser Schritt kann nur Europa sein. Nur dort kann sich der Klub spielerisch wieder auf Augenhöhe mit den Seinen messen, oder mit denen, die der Verein dafür hält. Wie die herausforderungslose Bundesliga die Bayern ausbremst, ist am Champions-League-Abschneiden der jüngsten Vergangenheit zu sehen. Bis vor ein paar Jahren zählte das Team noch zu den Top-5-Mannschaften, zuletzt aber war nicht selten im Viertelfinale Schluss. Finanziell wäre der FCB bei einen “Aufstieg” in die europäische Spitzenliga im Vergleich zu den Manchesters und PSGs zwar eine eher kleine Nummer, doch er wird gut geführt, was manche fehlende Millionen ausgleichen dürfte. Und selbst wenn nicht: Allein die zu erwartende Selbstvermarktung wird mehr als lukrativ ausfallen.

Und was ist mit der Bundesliga ohne die Bayern? Natürlich würde ihr eine Attraktion fehlen. Wenn aber der Höhepunkt des Fußballjahres für kleinere Vereine wie etwa Köln oder Stuttgart darin besteht, zwei Mal nicht allzu hoch gegen den Dauermeister zu verlieren, ist das auch eine ziemliche fade Idee von Fußball. Wie aber sollte sich das je ändern? Der FCB hat zuletzt fast 200 Millionen Euro mehr umgesetzt als die Nummer zwei, Borussia Dortmund. Ist es realistisch, das der BVB im Besonderen oder die Liga im Allgemeinen diesen Vorsprung je wieder aufholen werden? Natürlich gibt es Ideen, wie die Bundesliga wieder “gerechter” werden könnte. Nur leider laufen alle Vorschläge letztlich darauf hinaus, die großen Teams finanziell stärker an die Kandare zu nehmen, um die kleineren besser zu unterstützen.

Doch die simple Losung “Bayern und BVB müssen ärmer werden, damit der Rest leben kann” ebnet das Niveau höchstens nach unten ein. Und es geht auch nicht nur um Geld, wie Hertha BSC schmerzvoll lernen musste. Auf der anderen Seite zeigen Eintracht Frankfurt oder aktuell der SC Freiburg, wie sich Klubs mit Klugheit und Herzblut erfolgreich führen lassen. Bei den Bayern kommt halt alles zusammen, weshalb sie noch mindestens 20 Jahre Vorsprung in Sachen Know-how, Renommee und Mentalität haben. Dinge, die sich weder Scheichs noch Getränkehersteller mal eben dazukaufen können.

Die deutsche Fußballorthodoxie

Auch die oft als positives Beispiel angeführten Regeln des US-Profisports taugen nur mäßig für mehr Wettbewerb. Zwar gibt es dort Gehaltsobergrenzen und gedeckelte Klubbudgets, dennoch erzielen Topspieler im Base- oder im Basketball exorbitante Einkommen von denen deutsche Spieler nur träumen können. Und im American Football standen seit 2012 die New England Patriots fünfmal im Finale. Deren früherer Quarterback Tom Brady sogar sechsmal. So viel zum Thema Abwechslung. Daneben gäbe es natürlich noch die Möglichkeit, die 50+1-Regel aufzuheben – was in der deutschen Fußballorthodoxie aber bis auf Weiteres undenkbar ist.

Aber vielleicht sind Dinge wie Super-League, American Football und Orthodoxie nicht einmal ein Widerspruch. Bayern (und vielleicht auch Dortmund) verlassen die Liga und verzücken die Fans in den Topsphären mit Spitzensport. Darunter in der Bundesliga gibt es, nach einer Finanzreform, wieder echten Wettbewerb vor gut gefüllten Stadien mit Stehplätzen und Fankultur, dem eigentlichen und letzten Markenzeichen der Liga. Das ist dann ein wenig wie in den USA, wo der College-Football zwar auch “zweitklassig”, aber für sehr viele Fans deutlich anziehender ist, als der durchvermarktete Eventsport in der NFL. Viel öder jedenfalls kann es nicht mehr werden. 



Source link

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.