2. März 1978
Der Tag, an dem die Leiche von Charlie Chaplin entführt wurde

Beisetzung von Charlie Chaplin

Charlie Chaplin wurde nach seinem Tod im Dezember 1977 auf dem Friedhof in Corsier-Sur-Vevey beigesetzt

© stern-Kombo Associated Press/Keeystone Archives / Picture Alliance

Im Dezember 1977 starb der Komiker Charlie Chaplin in seiner Villa in der Schweiz. Dort wurde der Brite auch begraben. Doch nur zwei Monate später wurde seine Leiche vom Friedhof gestohlen – und seine Witwe erpresst.

Es ist wahrscheinlich der berühmteste Fall von Leichendiebstahl überhaupt. In der Nacht auf den 2. März 1978  machen sich zwei Männer auf dem Friedhof im Schweizer Dorf Corsier-sur-Vevey an einem Grab zu schaffen. Es ist die letzte Ruhestätte des Komikers Charlie Chaplin. Der Brite war zwei Monate zuvor, am 25. Dezember, im Alter von 88 Jahren in seiner Villa am Genfer See verstorben. Jetzt buddeln die Männer bei Dunkelheit seine Leiche aus, hieven den Eichensarg in ein Auto und brausen davon.

Am nächsten Morgen schlägt ein Friedhofswärter Alarm, als er anstatt der Grabstelle nur noch ein klaffendes Loch sieht. In den nächsten Tagen melden sich mehrere Leute, die den Leichnam des Komikers angeblich in ihre Gewalt gebracht hätten. Trittbrettfahrer. Sie alle fordern große Summen Lösegeld für die Wiederbeschaffung. Doch nur einer von ihnen kann seine Forderung mit einem Foto untermauern. Es zeigt den Sarg des Komikers auf einem Acker neben einem Loch – groß genug, um ihn darin verschwinden zu lassen.

Entführer von Charlie Chaplin träumten von eigener Autowerkstatt

Er fordert 600.000 Dollar. Chaplins Witwe Oona geht zum Schein auf die Forderung ein. Doch während ihr Anwalt über die Lösesumme verhandelt, überwacht die Polizei ihr Telefon und kann den Anruf zurückverfolgen, der aus einer Telefonzelle in Lausanne getätigt wird. Obwohl die Polizei dem Anrufer mehrere Fallen stellt, kann er immer wieder entwischen. Erst als mehr als 200 Telefonzellen dauerhaft überwacht werden, wird der Kidnapper nach fünf Wochen endlich geschnappt.

Charlie Chaplin und seine Ehefrau Oona

Charlie Chaplin und seine Ehefrau Oona. Das Paar war 34 Jahre lang verheiratet, hatte acht gemeinsame Kinder.

© Imago Images

Es ist der Bulgare Galtscho Ganev, ein 24-jähriger Automechaniker, der zusammen mit seinem polnischen Freund Roman Wardas – ebenfalls Automechaniker – den Sarg ausgegraben hatte. Die beiden wollten sich mit dem erpressten Geld den Traum einer eigenen Autowerkstatt erfüllen. Und da lebende Entführungsopfer ihrer Meinung nach zu teuer waren, da sie mit Nahrung versorgt müssten, hielten sie es für schlauer, jemanden zu entführen, der bereits tot war.

Sarg mit Charlie Chaplin auf Maisacker verbuddelt

Sie hatten den Sarg mit Chaplin auf einem Maisfeld nahe des rund 17 Kilometer entfernt gelegenen Dörfchens Noville vergraben. Dummerweise konnten sie sich nicht mehr an die genaue Stelle erinnern, weshalb die Polizei das Feld mit Metalldetektoren absuchen musste.

Das Anwesen von Charlie Chaplin in der Schweiz.

Das Anwesen von Charlie Chaplin in der Schweiz. Hier lebte er bis zu seinem Tod 1977

© epa Keystone Jean-Christophe Bott / Picture Alliance

Schließlich wurde der Sarg gefunden und wieder zurück auf den Friedhof gebracht, wo seine Frau sicherheitshalber eine Zentimeter dicke Betonschicht anbringen ließ. Nachdem auch sie verstorben war, wurde das Grab 1991 zubetoniert. Ganev und sein Kumpel bekamen viereinhalb Jahre Gefängnis.

Das Grab von Charlie Chaplin und seiner Frau Oona

Das Grab von Charlie Chaplin und seiner Frau Oona auf dem Friedhof auf dem Friedhof im Schweizer Dorf Corsier-sur-Vevey

© Harrison Neil / Picture Alliance

Die Entführung von Chaplins Leiche ist übrigens nicht der einzige Fall, in dem die Ruhe eines prominenten Toten gestört wurde. Nach dem Suizid der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof im Gefängnis Stuttgart-Stammheim im Mai 1976 wurde ihr Gehirn nicht mitbeerdigt, um es für wissenschaftliche Untersuchungen zu nutzen. Es wurde erst Jahrzehnte später, im Jahr 2002, eingeäschert und beigesetzt.

Im August 2010 verschwand die Urne von Kommunarde und Autor Fritz Teufel am Dorotheenstädtischen Friedhof im Berlin-Mitte und tauchte am Grab von Studentenführer und Linken-Ikone Rudi Dutschke in Berlin-Dahlem wieder auf. In einem Schreiben freuten sich die Urheber über den “teuflischen Spaß”.



2. März 1978: Der Tag, an dem die Leiche von Charlie Chaplin entführt wurde

Rund ein Jahr verschwunden blieb der Sarg des 2006 verstorbenen deutsch-österreichischen Milliardärs Friedrich Karl Flick, der 2008 in Österreich gestohlen wurde – wohl ebenfalls von einer Bande, die Geld erpressen wollte. Die Täter hatten eine mehrere Hundert Kilogramm schwere Granitplatte zur Seite gerückt und den Sarg wegtransportiert. Ende 2009 tauchte der Sarg in Ungarn wieder auf, der tote Großindustrielle wurde ein zweites Mal beigesetzt.

Quellen: History, Rhein-Neckar-Zeitung, BR, DPA



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