Amsterdam
Schüsse und eine Bombenweste: Dramatische Geiselnahme in Apple Store endet mit überfahrenem Räuber

Amsterdam: Eine Kugel im Schaufenster bleibt als Zeugnis der Geiselname im Apple Store

Eine Kugel im Schaufenster bleibt als Zeugnis der Geiselname im Apple Store

© Olaf Kraak/ / Picture Alliance

In einem Apple Store in Amsterdam spielten sich gestern Abend dramatische Szenen ab. Ein Geiselnehmer gab Schüsse ab, drohte sich in die Luft zu sprengen und verlangte Hunderte Millionen Euro Lösegeld. Am Ende wurde er von einem Polizei-Auto erfasst.

Ein schiefgelaufener Raubüberfall hat in Amsterdam für filmreife Szenen gesorgt. Gegen 17.30 Uhr wurde die Polizei zum Apple Store im Stadtteil Leidseplein gerufen. Schon beim Eintreffen der Beamten eskalierte die Lage: Der Räuber eröffnete laut Polizei-Angaben sofort das Feuer und gab mehrere Schüsse in Richtung der Polizisten ab. Es war der Beginn dramatischer Stunden.

Der Täter, laut Polizei ein 27-Jähriger aus Amsterdam, verschanzte sich mit zahlreichen Kunden und Mitarbeitern als Geiseln in dem Laden. Einige der laut Polizei “Dutzenden Menschen”, die sich im Gebäude befanden, verbarrikadierten sich gar in einer Besenkammer, ohne vom Täter dort entdeckt worden zu sein. Als Hauptgeisel hatte er einen Besucher aus Bulgarien auserkoren. Er entwickelte sich später zum Helden der Geschichte.

Sprengstoff-Gürtel und Millionenforderungen

Die Lage war aus Sicht der Polizei hochgefährlich. Der Mann, der den Laden in Tarnanzug und Sturmhaube betreten hatte, war mit einer Pistole sowie einer halbautomatischen Waffe schwer bewaffnet. Zudem teilte er Bilder, die eine Sprengstoffweste zeigten. Er werde die Geisel in die Luft sprengen, drohte er bereits beim ersten Kontakt mit der Polizei. An den Unterhändler hatte er klare Forderungen: 200 Millionen Euro in Kryptowährungen wollte er als Lösegeld, zudem sollte die Polizei seinen freien Abzug aus dem Laden garantieren.

Für die Polizisten und die Familien der Geiseln begannen bange Stunden. Weil sie vermuteten, dass der Mann die Nachrichtenlage zum Fall in den sozialen Netzwerken verfolgte, verhängte die Polizei zunächst eine Nachrichtensperre. So wurde erst später bekannt, dass die Hauptgeisel offenbar gleich mehrere Gelegenheiten nutzte, um anderen Mitgeiseln beim heimlichen Verlassen des Ladens zu helfen.

Überraschendes Ende

Auch das Ende der Geiselnahme verdankt die Polizei dem anonymen Helden. Als nach über fünf Stunden gegen 22.30 Uhr der Geiselnehmer nach Wasser verlangte, schickten die Beamten einen Roboter an die Tür, um es zu überbringen. Die Hauptgeisel, die das Wasser im Auftrag des Täters in Empfang nehmen sollte, nutzte die Gelegenheit zur Flucht. Dem Täter wurde das zum Verhängnis: Als er seiner Geisel aus dem Laden hinterherlief, um sie aufzuhalten, wurde er von einem Wagen der Polizei erfasst. 

Trotzdem blieben die Beamten vorsichtig. Erst nachdem ein Sprengstoff-Roboter den bewusstlosen Mann untersucht hatte, durfte er von medizinischem Personal untersucht werden. Ein Rettungswagen brachte den Mann in ein Krankenhaus, wo er nun unter Bewachung steht, so die Polizei.

Suche nach dem Motiv

Für die Ordnungskräfte war der Einsatz damit aber noch nicht abgeschlossen. Sie durchsuchten den Wohnsitz des Mannes im Stadtteil Amsterdam West und beschlagnahmten mehrere Datenträger. Auch die Bombenweste des Täters wurde untersucht. Dabei kam heraus, dass es sich tatsächlich um Sprengstoff handelte, die Zündvorrichtung allerdings noch nicht scharf gestellt war. Das würde nicht zur Theorie eines reinen Raubüberfalls passen, betonten die Ermittler. Weitere Untersuchungen sollen nun das genaue Motiv des Täters ermitteln. Auch die Möglichkeit mehrerer Täter werde genau geprüft, es gäbe aktuell aber keine Hinweise darauf, so die Polizei.

Apple hat sich mittlerweile ebenfalls u dem Überfall geäußert. Der Konzern bedankte sich bei den Ordnungskräften für ihre “herausragende Arbeit und die laufenden Ermittlungen”. Das Team und die Kunden hätten “unglaubliche Stärke und Entschlossenheit bewiesen”, lobte einSprecher des Unternehmens gegenüber “Techcrunch”. “Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung und Fürsorge, die sie untereinander in solch schwierigen Umständen an den Tag legten.”

Quelle: Polizei Amsterdam, Techcrunch



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