Anonymer Krankenschein 2020 für 127 Menschen in Thüringen



In Thüringen haben im vergangenen Jahr 127 Menschen ohne Krankenversicherung medizinische Hilfe über einen anonymen Krankenschein erhalten. Rund 200 Krankenscheine wurden ausgestellt, wie das Gesundheitsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Den anonymen Krankenschein bei akuten Erkrankungen gibt es laut Ministerium seit 2017 in inzwischen mehr als 30 Anlaufstellen thüringenweit. Das Angebot richtet sich an deutsche Staatsbürger, die ihren Versicherungsschutz verloren haben, ebenso wie an EU-Bürger – etwa Arbeitsmigranten – und Menschen aus Drittstaaten ohne ausreichenden Krankenversicherungsschutz oder legalen Aufenthaltsstatus.

Zum Vergleich: Die Zahl der jährlichen Arzt- und Krankenhausbehandlungen gesetzlich Krankenversicherter geht in Thüringen in die Millionen.

Inzwischen stößt das Hilfesystem nach Einschätzung der Organisatoren zunehmend an finanzielle Grenzen. In diesem Jahr habe in Einzelfällen bereits die Kostenübernahme für Behandlungen abgesagt werden müssen, sagte Carola Wlodarski-Simsek, Projektkoordinatorin des Vereins Anonymer Krankenschein, der dpa. Bereits im vergangenen Jahr habe das Land wegen der gestiegenen Nachfrage Geld nachschießen müssen. „Wir werden bekannter, das merken wir an der Nachfrage.“

Im Landeshaushalt stehen für das Hilfesystem laut Ministerium pro Jahr bis zu 250.000 Euro zur Verfügung. In diesem Jahr wurden demnach bereits rund 153.000 Euro abgerufen. Das Limit für Behandlungskosten pro Krankenschein liegt in der Regel bei 500 Euro. Bei Therapien, die diese Summe überschreiten, ist zuvor eine feste Zusage der Kostenübernahme nötig. Wenn nötige Behandlungen an den Kosten zu scheitern drohten, sei dies „ein Dilemma für uns“, so Wlodarski-Simsek.

In der Corona-Pandemie haben sich nach ihrer Beobachtung teilweise auch Reisende aus anderen Ländern an den Verein gewandt, die wegen der Grenzschließungen in Thüringen gestrandet seien. „Das Problem war, dass ihre Reisekrankenversicherung abgelaufen war.“ Dafür habe es kaum Anfragen ausländischer Arbeitskräfte gegeben, weil wegen der Grenzschließungen weniger Erntehelfer oder Beschäftigte in der Gastronomie aus dem Ausland nach Thüringen kamen.



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