„FC Bayern – Behind The Legend“
In der neuen Amazon-Doku wirkt der FC Bayern oft so unantastbar wie auf dem Platz


FC Bayern - Behind the Legend

Eine Amazon-Doku hat den FC Bayern über ein Jahr begleitet. Dabei herausgekommen sind viele abgedroschene Phrasen – und ein paar persönliche Momente.

Schon klar: Man darf von Dokumentationen über Profifußball-Vereine nicht allzu viel erwarten. Dafür ist das Geschäft viel zu sehr darauf getrimmt, nur keine zu tiefen Einblicke zuzulassen und auf jeden Fall den Schein nach außen zu wahren – das hat das Doku-Format, das Amazon unter anderem schon mit Borussia Dortmund und Manchester City ausprobiert hat, schon einige Male bewiesen. Doch selbst für Profifußball-Verhältnisse ist die Amazon-Serie über den FC Bayern blass und oberflächlich geblieben.

Regisseur Simon Verhoeven und Kameramann Nepomuk V. Fischer durften Mannschaft und Verantwortliche in einer historischen Zeit begleiten: Der Rekordmeister feierte mit sechs Titeln die erfolgreichste Saison seiner Geschichte, außerdem stand das ganze Geschehen während der Corona-Zeit unter ganz speziellen Vorzeichen. Herausgekommen ist die sechsteilige Serie „FC Bayern – Behind the Legend“, die jetzt auf Amazon Prime abrufbar ist.

Der FC Bayern und seine Legenden – alles erwartbar soweit

Legenden – das sei das Erste, was ihm in den Sinn komme, wenn er an den FC Bayern denke, sagt Oliver Kahn gleich zu Beginn. Kahn selbst ist eine dieser Legenden, mittlerweile Vereinsboss, früher war er Torwart, wie er in die Kamera erklärt – für alle Zuschauer:innen, die keine Ahnung von Fußball haben oder jünger als 14 Jahre sind. Daran ist nichts falsch, im Gegenteil: Den FC Bayern und seine großen Spieler Legenden zu nennen, das passt so unbestreitbar, dass man keinen Moment darüber nachdenken müsste. Eine von vielen, vielen Phrasen, die vor allem in den ersten Folgen der Serie gedroschen werden.

Ob Vorstandsvorsitzender Kahn, Sportvorstand Hasan Salihamidzic oder Führungsspieler Joshua Kimmich: Sie alle erzählen vor allem das, was man längst über die Bayern weiß – und das weitestgehend in einem Tonfall, als würden drittklassige Schauspieler vom Blatt ablesen. Hungrig bleiben, wir wollen immer gewinnen, schon als Kind vom FC Bayern geträumt, wir haben eine geile Mentalität, wir sind eine Familie. Das hat weder für Fans noch für Widersacher der Münchner irgendeinen Mehrwert.

„FC Bayern – Behind The Legend“ auf Amazon Prime: Hansi Flick war zuerst skeptisch

Auch auf der Bildebene bleibt die Serie leider hinter den Möglichkeiten zurück. „In dieser Dokumentation werden unsere Fans den Club so nah wie nie zuvor erleben“, hatte Oliver Kahn versprochen. Trotzdem ist die Kamera oft nur dabei statt mittendrin. Wenn es Siege zu feiern gibt, dürfen die Serienmacher draufhalten. In den schwierigen Momenten – und von denen gab es auch bei den erfolgsverwöhnten Bayern einige – bleiben Fragen offen. In diesen Situationen präsentiert sich der FC Bayern in der Doku so wie für seine Gegner auf dem Platz: unnahbar, unantastbar, überlegen. 

Trainer Flick habe ihm und seinem Kameramann Nepomuk V. Fischer den Zutritt zur Kabine sogar zuerst kategorisch verboten, erzählte Regisseur Simon Verhoeven Sport1: „Irgendwann hat er aber gemerkt, dass wir nicht diese investigativen Journalisten oder Boulevard-Fotografen sind, die die ganze Zeit nerven und Schlagzeilen suchen, sondern dass wir auch vom Fußball kommen und uns ernsthaft für die Menschen, die Mannschaft und die Arbeit seines Teams interessieren.“

Und dann wird es doch persönlich

Einige schöne Einblicke gibt es dennoch: Karl-Heinz Rummenigge pöbelt auf der Tribüne gegen den Schiedsrichter („Guck dir die Scheiße an da“), Oliver Kahn rammt sich das Stäbchen zum Corona-Test selbst in die Nase, Trainer Hansi Flick verzweifelt an der Ballschussmaschine, die Spieler scherzen im Training, in der Kabine und am Pool, Alphonso Davies feiert nach einer Roten Karte die Tore der Kollegen allein in den Katakomben. Salihamidzic gerät während des Spiels gegen den BVB auf der Bank über den gegnerischen Stürmer Erling Haaland ins Schwärmen.

Und so oberflächlich die Serie an vielen Stellen auch bleibt, manchmal wird es dann doch richtig persönlich. Sogar mit Oliver Kahn, der erstmals davon berichtet, wie ihn seine „Immer weiter“-Mentalität als Spieler in mentale Probleme trieb. Oder wenn Hasan Salihamidzic von seiner Kindheit im Bosnien-Krieg berichtet und Stars wie Niklas Süle, Leroy Sané und Leon Goretzka von der Freundschaft, die sie schon als Jugendspieler verbunden hat. Hansi Flick muss bei seinem Abschied mehr als einmal schwer schlucken. Am Ende besteht der Verein, der auf und neben dem Platz oft funktioniert wie eine Maschine, eben doch aus Menschen, will uns das wohl sagen. Und manchmal werden aus Menschen Legenden.



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