Alberto Morillas ist ein spanischer Parfümeur und hat zahlreiche namhafte Düfte kreiert. Mit dem stern hat er über Trends und Geschlechtergrenzen gesprochen und erklärt, was ein Parfüm wirklich besonders macht.

Ob Yves Saint Laurent, Kenzo, Cartier, Giorgio Armani oder auch Dolce & Gabbana: Alberto Morillas hat schon für all diese namhaften Luxusmarken Kultdüfte kreiert. Der 72-Jährige ist ein bekannter Parfümeur und man kann ihn sicherlich als Meister seines Faches bezeichnen. Und das, obwohl er als Quereinsteiger begann: Er war als Jugendlicher von einem Interview mit Jean-Paul Guerlain im Modemagazin “Vogue” so fasziniert, dass er kurzerhand beschloss, selbst Parfümeur zu werden. Daraufhin heuerte er beim Duftstoff-Hersteller Firmenich an, obwohl der Spanier keine Vorkenntnisse in Chemie vorweisen konnte. Dennoch wurde er angenommen – und stieg 1998 dort zum Chefparfümeur auf.

Zudem betreibt Alberto Morillas seine eigene Marke Mizensir. Neben Duftkerzen hat sich der Spanier vor allem auf Unisex-Düfte fokussiert. Das Besondere bei seiner Eigenmarke: All seine Kreationen erzählen ganz persönliche Geschichten von seinen Reisen um die Welt, von seiner Kindheit und seinen Wurzeln in Andalusien. Diese persönlichen Verbindungen seien besonders wichtig. Auch seine neueste Kreation, “VERT Empire”, baut darauf auf. Der Meister-Parfümeur habe sich dafür von der grünen und natürlichen Lebendigkeit seines Gartens am Ende des Winters inspirieren lassen, sagt er. Dabei sind seine Düfte immer überraschend und kontrastreich, wie etwa der Duft “L’Envers du Paradis”, bei dem beispielsweise Pink Pepper und grüner Kardamom aufeinandertreffen.

Was genau sich Morillas bei seinen Kreationen denkt, wohin der Trend gehen und was in Zukunft wichtig sein wird, darüber hat er im Interview mit dem stern gesprochen. 

Schon als Kund:in ist es ein langer Prozess, um das “perfekte” Parfüm zu finden. Wie lange brauchen Sie, um einen neuen Duft zu kreieren, der für Sie “perfekt” ist?

Ich bin nicht an Perfektion interessiert. Ich bin auf der Suche nach Kontrast und Überraschung. Perfektion gibt es in der Parfümerie nicht und es ist oft eine Unvollkommenheit, die einem Parfüm seine Signatur verleiht.

Dann muss ein Duft gar nicht perfekt sein, bis Sie wissen, dass Sie fertig sind mit einer neuen Kreation?

In der Parfümerie gibt es so etwas wie perfekt nicht. Die Zeit entscheidet, ob ein Parfüm fertig ist. Oft gehe ich sogar in meinen Kreationen rückwärts, weil wir immer denken, dass die letzte Modifikation perfekt sein wird, aber das ist nicht wahr. Der letzte Touch ist oft zu viel.

Mit den Jahren haben sich sicherlich Lieblingszutaten herausgestellt, die Sie besonders gern verwenden und die typisch für Sie sind.

Ich könnte niemals ein Parfüm ohne natürliche Essenzen kreieren, die sich mit synthetischen Molekülen verbinden und einen anderen Charakter hervorbringen.

Ihre Kreationen sind beliebt. Woher wissen Sie, was die Kund:innen wollen? 

Die Menschen wollen verschiedene, aber beruhigende Kreationen. Also muss ich wissen, wo ich die Grenze zwischen unterschiedlich und beruhigend ziehen und beide Extreme vermeiden kann. Es gibt also viele Wege zu erkunden, bevor ich den richtigen finde.

Gab es bei Ihnen schon einmal so etwas wie einen glücklichen Zufall?

Ja, absolut. Jeden Tag, jedes Mal, wenn ich etwas versuche oder experimentiere, erwarte ich, überrascht zu werden, denn jeder Versuch ist eine unerwartete Überraschung – schrecklich oder wunderbar.

Welche Gefühle drücken Ihre Parfums im Allgemeinen aus: Zuversicht, Glück, Mut?

Sie drücken vor allem eine Überraschung und Emotionen von Glück, Wohlbefinden, Vergnügen oder Faszination aus. 

Melancholische Gefühle können auch dabei sein?

Die Leute werden Emotionen fühlen, wenn sie die Parfums riechen, die ich kreiere. Manchmal wird ihr Gefühl das eines Vergnügens sein, manchmal kann Nostalgie ein Teil davon sein.

Was sind die Inhaltsstoffe eines positiven Parfüms?

Duftnoten, die an Obst und Zitrusfrüchte erinnern, Dinge, die Menschen leicht verstehen.

In Ihrer Karriere waren sicherlich auch ganz besondere Düfte dabei, an die Sie sich gern erinnern.

Jeder Duft hat seine Spezifität und eine besondere Signatur, um Menschen zum Träumen zu bringen. Am kultigsten ist für mich Calvin Kleins “CK One”, das zu einem Parfümklassiker und vor allem zu einem Unisex-Duft geworden ist. Eine neue Vision von Parfüm, das kein Geschlecht hat, sondern nur eine Emotion ist. Ich könnte mehrere nennen, wie “Aqua di Gio” oder “Flower” von Kenzo, die auf ihre Weise eine bestimmte Periode in der Parfümerie beeinflusst haben.

Sehen Sie heutzutage einen besonderen Trend? Einige Zutaten, die Sie als Trend bezeichnen würden?

Praline und Vanille, Schokoladennoten, Süße. Und seien Sie vorsichtig, wenn es zu trendy ist, Sie müssen den Trend umkehren.

Bemerken Sie eine Veränderung, wenn es um den Kauf eines Parfüms geht? Vegane Parfüms scheinen mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Lange Zeit war ich sehr sehr angetan von tierischen Inhaltsstoffen, aber es ist schwierig, mit all diesen Regeln heutzutage umzugehen.

Sie haben bereits einen Unisex-Duft angesprochen: Ich könnte mir vorstellen, dass auch die Nachfrage nach diesen Parfüms größer wird.

Es begann bereits in den frühen 90er Jahren mit Calvin Kleins “CK One”, das zu einem Parfümklassiker und vor allem zu einem Unisex-Duft geworden ist. Eine neue Vision von Parfüm, das kein Geschlecht hat, sondern nur eine Emotion ist. Darüber hinaus haben Parfüms in den Kulturen des Nahen Ostens kein Geschlecht. Es ist also die Emotion, die man fühlt, wenn man ein Parfüm trägt, die zählt.

Ich habe das Gefühl, dass wir eines Tages die Trennung von Parfums für Männer und Parfums für Frauen gänzlich nicht mehr brauchen werden, weil wir uns immer mehr von Geschlechter-“Grenzen” befreien.

Ja, ich stimme Ihnen zu. Tatsächlich gibt es auch in meiner Mizensir-Parfüms-Kollektion keine Herren- oder Damendüfte. Was wichtig ist, ist die Emotion, die Sie spüren, wenn Sie sie tragen.

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